Erste Kraniche-Vorhut bald in Thüringen zu beobachten

Mit dem Herbst hat der Vogelzug in Thüringen begonnen. Schwalben, Stare und Singvögel sind weg, Vögel aus nördlicheren Breiten machen in den kommenden Wochen zu Tausenden Station in Thüringen.
Kraniche fliegen am Morgenhimmel. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Bald werden sie wieder zu hören sein, die Rufe der Kraniche über den großen Rastplätzen in Thüringen: «Wir rechnen mit der ersten Vorhut bereits in den nächsten Tagen», sagte der Vogelexperte Tino Sauer vom Thüringer Naturschutzbund (Nabu) auf Anfrage. Vor allem das Rückhaltebecken Straußfurt (Kreis Sömmerda) und der Stausee Kelbra an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt seien große Rastplätze für Kraniche auf dem Weg in wärmere Gefilde.

Möglicherweise könnten am 8. Oktober bei einer vom Nabu organisierten Vogelbeobachtung in Straußfurt bereits die ersten Kraniche gesichert werden. «Das ist aber abhängig vom Wetter», so Sause.

Im Zeitraum von Mitte Oktober bis Dezember könnten an dem Rückhaltebecken nördlich von Erfurt dann täglich einige Tausend Kraniche gesichtet werden. Für die Rast der großen Vögel werde rechtzeitig das Wasser abgelassen. Allein dort seien schon bis zu 25.000 Kraniche in einzelnen Nächten beobachtet worden. In Kelbra könnten es 60.000 bis 80.000 sein. Kraniche gehörten zu den auffälligsten Arten, die durchziehen. Bereits aus nördlichen Regionen in Thüringen angekommen seien Graugänse und rostbraune Nilgänse.

Weggeflogen seien dagegen Sommergäste wie die Stare. Vor allem Jungvögel kämen im Hochsommer vor allem aus Skandinavien und dem Baltikum nach Thüringen. Am letzten Septemberwochenende seien dann auch die meisten Schwalben aus Thüringen abgereist, «beschleunigt durch die kalten Luftströmungen». Manche Schwalben hätten in dem trockenen Sommer dank eines relativ guten Futterangebots an Insekten sogar eine dritte Brut gewagt.

Insgesamt sei der Bestand an Schwalben in Thüringen aber rückläufig. «Sie haben es schwer, Nester zu bauen.» Früher habe es in manchen Dörfern an jedem zweiten Haus ein Schwalbennest gegeben, heute gebe es sie vielleicht an jedem 20. Haus, sagte Sauer. Der Bestandsrückgang liege bei etwa zwei Prozent pro Jahr. «Über einen Zeitraum von zehn Jahren ist das ein Rückgang von einem Fünftel. Dieser Trend ist trotz einiger Schutzmaßnahmen leider ungebrochen.»

Eine positive Entwicklung zeige dagegen der Bestand an Weißstörchen im Freistaat. Es habe in diesem Jahr neue Horste mit Brutpaaren unter anderem in der Gera-Unstrut-Aue gegeben. Allein im Kreis Gotha seien 14 Brutpaare gezählt worden. «Früher hat es vielleicht drei bis vier dort gegeben», so der Vogelexperte.

Weiterhin gebe es den Trend, dass klassische Zugvögel versuchten, den Winter in Thüringen und Deutschland zu verbringen. Dazu gehörten neben Störchen auch Amseln, die früher im Winter bis nach Afrika geflogen seien. Inzwischen seien Amsel häufig auch im Winter in Gärten und Parks zu beobachten - wenn sie ausreichend Futter finden.

© dpa
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