«Krisenmodus»: Energiepreise machen Unternehmen zu schaffen

Steigende Energiepreise setzen Thüringer Unternehmen zu. Anders als bei Corona erwarten sie keine zeitnahe Besserung - dafür aber Hilfen.
Ein Schiffbauer schweißt auf einem der Decks eines sich im Bau befindlichen Kreuzfahrtschiffes. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

In der Thüringer Industrie und im Handel fürchtet laut einer Verbandsumfrage mehr als die Hälfte der Unternehmen um ihre Geschäftslage. In sechs von zehn Betrieben gehe man aktuell von einer Verschlechterung in den kommenden zehn Monaten aus, hieß es im aktuellen Konjunkturbericht der Erfurter wie auch der Ost- und Südthüringer Industrie- und Handelskammer (IHK) am Donnerstag. Bei den Mitgliedsunternehmen herrsche große Unsicherheit, sagte die Erfurter IHK-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Haase-Lerch. «Wir erleben besorgte, ja ängstliche Unternehmen.» Dabei gehe es auch um Versorgungsengpässe. «Die Unsicherheit ist riesig.»

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine habe sich die Stimmung in den kleineren und mittleren Unternehmen erheblich eingetrübt. Für das laufende Jahr zeichne sich neben wackelnden Existenzen auch klar das Platzen von Investitionsplänen ab. Mehr als die Hälfte der Unternehmen gab an, bereits jetzt keine oder weniger Investitionen zu tätigen.

Ein wichtiger Grund sind laut IHK-Umfrage die extrem gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe. Der jüngst zu beobachtende Pessimismus habe sich verfestigt. Nahezu jeder Betrieb (95 Prozent) sei von der Energiekrise betroffen. Das sei ein Rekordhoch. Egal ob Handel, Verkehr, Bau oder andere Branchen, die Probleme seien vergleichbar, sagte Haase-Lerch. Im Gastgewerbe schätzte laut einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Thüringen jeder Betrieb die Energiepreise als Risiko ein.

Einzelne Hotels und Gastronomiebetriebe in Thüringen ziehen nach Angaben des Dehoga für den Start des kommenden Jahres temporäre Schließungen in Erwägung. Die Unsicherheit sei aufgrund der Energiepreissteigerungen so hoch, dass Unternehmen nicht mehr kalkulieren könnten, sagte Dehoga-Geschäftsführer Dirk Ellinger.

So habe etwa ein Hotel in Suhl ein Stromangebot erhalten, das elfmal so hoch sei wie bisher. Solche Preise ließen sich auch nicht mehr auf die Gäste umlegen. «Da ist schon das Licht anmachen ein Minusgeschäft», sagte Ellinger.

Auch die Geschäftslage bei den Südthüringer Handwerksbetrieben hat sich laut Handwerkskammer (HWK) deutlich verschlechtert. «Enorme Preissteigerungen drücken die Nachfrage und machen gerade unseren kleinen und mittleren Unternehmen zu schaffen, deren Reserven nach den Pandemiejahren erschöpft sind», sagte die Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Südthüringen, Manuela Glühmann. 95 Prozent der befragten Handwerker meldeten gestiegene Kosten für Energie, Rohstoffe und Material. Zwar seien noch nicht alle Handwerke im gleichen Maße betroffen, doch sei der Trend eindeutig.

Das Land stehe vor einer Rezession, sagte Haase-Lerch. «Es ist offensichtlich, dass die Wirtschaft im Krisenmodus steckt.» Man wolle «jetzt nicht alles schwarzmalen, das ist sicher nicht angebracht», sagte die IHK-Chefin. Insgesamt blieben die Branchen optimistisch. Aber es müsse schnellstmöglich gelingen, die Mehrkosten zu kompensieren.

Dafür braucht es aus IHK-, Dehoga wie auch HWK-Sicht verlässliche und umsetzbare Maßnahmen. Es müsse jetzt ganz schnell eine Umsetzung geben. Zudem müsse der Strompreise von den Gaspreisen entkoppelt werden. Langfristige Herausforderungen der Energieeinsparung müssten strategisch angegangen und etwa Genehmigungsverfahren verkürzt werden. Die Ostthüringer IHK forderte zudem, alle technisch verfügbaren grundlastfähigen Energiequellen anzuzapfen - «von der Atomkraft bis zu regionalen Ressourcen wie zum Beispiel Schiefergas».

© dpa
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