Rund 2000 Schweine in Mastanlage in Nordhausen verendet

In einer großen Schweinemastanlage in Nordthüringen sind rund 2000 Tiere verendet. Der Tierschutzbund übt heftige Kritik an dieser Art der Schweinehaltung.
An der Tür von einem Streifenwagen steht der Schriftzug «Polizei». © David Inderlied/dpa/Illustration

Nach dem Tod von rund 2000 Schweinen in einer Mastanlage in Nordhausen wird gegen deren Betreiber wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Die Amtstierärztin des Landkreises Nordhausen habe eine entsprechende Strafanzeige gestellt, teilten die Polizei und eine Sprecherin des Landratsamtes am Montag mit. Es werde in alle Richtungen ermittelt, etwa ob der Tod der Tiere auf technisches oder menschliches Versagen zurückzuführen sei.

In dem Betrieb werden nach Angaben der Polizei über 50.000 Tiere gehalten. Aktuell gehe das Unternehmen davon aus, dass bis zu 2000 Mastschweine betroffen seien. Die Betreiber der Mastanlage hatten das Veterinäramt des Landkreises unmittelbar nach dem Vorfall informiert. Der Schweinehalter habe den Behörden seine volle Unterstützung bei der Aufklärung der Umstände zugesagt, die zum Tod der Tiere geführt haben. Derzeit werde unter anderem untersucht, welche Probleme an der Lüftungsanlage in den Stallungen vorlagen.

Wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte, sei ersten Erkenntnissen zufolge in sechs von über 150 Abteilungen, in denen die Schweine gehalten wurden, das Lüftungssystem ausgefallen. Die verendeten Tiere seien umgehend von der Anlage entfernt und die überlebenden Mastschweine von Tierärzten untersucht worden. Das Unternehmen sei bemüht, die Ursache des Unglücks zu klären, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholen könne.

Laut dem Deutschen Tierschutzbund sind bei dem Unglück sogar fast 2500 Tiere verendet. Ein Alarmsystem der Lüftungsanlage habe offenbar versagt. «Seit Jahren hört man von Problemen bei der Lüftung, die nicht angegangen wurden», sagte Kevin Schmidt, Vorsitzender des Landestierschutzverbands Thüringen. Die Katastrophe sei also mit Ankündigung gekommen.

«Die extreme Technisierung mit Zwangsbelüftung birgt für die in Warmställen eingepferchten Schweine ein ständiges Risiko», sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Die Abkehr vom Warmstall hin zu tiergerechteren Haltungssystemen, die sich an den natürlichen Bedürfnissen der Tiere orientieren, müsse vorangetrieben werden. Verschiedene Klimazonen und eine freie Luftzufuhr könnten durch Kontakt zum Außenklima oder durch einen Auslauf geschaffen werden. So könne auch verhindert werden, dass bei einem technischen Defekt das komplette Stallsystem kollabiert.

© dpa
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