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Thüringen droht historisches Geburtentief

Thüringens Einwohnerzahl schrumpft. Und in diesem Jahr könnten nach Prognosen so wenige Kinder geboren werden wie zuletzt in der ersten Hälfte der 1990er Jahre. Gleichzeitig steigt die Zahl der über 65-Jährigen.
Senioren
Ein Mann und eine Frau sitzen bei strahlendem Sonnenschein auf einer Bank. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Die Zahl der Thüringerinnen und Thüringer ist innerhalb eines halben Jahres um rund 2.800 Menschen gesunken. Hauptgrund sei das Geburtendefizit, das auch durch die Aufnahme von Migranten nicht ausgeglichen werden konnte, berichtete das Statistische Landesamt am Freitag in Erfurt. Insgesamt lebten Ende Juni rund 2.124.000 Menschen im Freistaat, jeweils etwa zur Hälfte Frauen und Männer. Rund 544.000 Thüringen waren mindestens 65 Jahre alt.

Nach den Zahlen des Landesamtes kamen in der ersten Hälfte des Jahres 6731 Menschen mehr nach Thüringen als wegzogen. Damit konnte jedoch das Geburtendefizit von 9331 Menschen nicht ausgeglichen werden - die Einwohnerzahl schrumpfte.

Das Geburtendefizit resultiert daraus, dass in den ersten sechs Monaten 15 755 Menschen im Freistaat starben, etwa ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden 6.424 Babys geboren, 537 (7,7 Prozent) weniger als im ersten Halbjahr 2022.

Hochgerechnet auf das gesamte Jahr 2023 sei mit insgesamt etwa 13.000 Geburten zu rechnen, erklärten die Statistiker. «Diese Anzahl läge nahe an dem für Thüringen historischen Tief von 12 721 Geburten im Jahr 1994.»

Den Berechnungen zufolge wird die Zahl der mindestens 65-Jährigen in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich um weitere 55.000 zunehmen, dann aber wieder etwas sinken. Im Zeitraum von 2012 bis 2022 war die Zahl älterer Menschen im Freistaat um 63.000 Menschen gestiegen. Etwa 180.000 Ältere lebten allein - das war etwa jeder Dritte.

In der ersten Jahreshälfte 2023 kamen 31.867 Menschen aus dem Ausland oder anderen Bundesländer nach Thüringen - 28,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Zuzug von Menschen aus dem Ausland sank um 11.746 Menschen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als 32.373 Menschen kamen. 25.136 Menschen verließen den Freistaat, darunter 11.969 Ausländer - das war ein Plus von 14,4 Prozent. Durch die Wanderung zwischen den Bundesländern verlor Thüringen 1.927 Menschen, weil mehr gingen als kamen.

Einen leichten Einwohnerzuwachs verzeichnete nach den Zahlen des Landesamtes Thüringens drittgrößte Stadt Gera mit 692 Einwohnern im ersten Halbjahr, auch der Kyffhäuserkreis minimal mit 24 Einwohnern. Alle anderen Kreise hätten einen Einwohnerverlust verbucht - den größten die Stadt Suhl mit 544 Menschen. Thüringens wichtigste Industriestadt Jena verlor ebenfalls Einwohner, exakt 431.

© dpa
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