Rechter Terror vor Gericht: «Werwolfkommandos»

Bereits seit einigen Wochen geht es im Rahmen des Kunstfests Weimar erneut um rechten Terror vor Gericht. Stand im letzten Jahr noch der in Bayern geführte Prozess gegen die Thüringer NSU-Terroristin Beate Zschäpe im Fokus, wird diesmal nach Hessen geblickt.
Schauspielerinnen und Schauspieler stehen bei einer Probe der Performance »Werwolfkommandos« auf der Bühne. © Christian Schuller/Performance »Werwolfkommandos« /dpa

Die Theaterregisseurin Marie Schwesinger sieht eine große Herausforderung darin, rechten Terror auf die Bühne zu bringen und künstlerisch zu verarbeiten. Die Frage, mit welcher Sprache man auf der Bühne rechten Positionen künstlerisch begegnet kann, habe sie mit «Werwolfkommandos», dass im Rahmen des Weimarer Kunstfestes am Samstag (18.00 Uhr) am Deutschen Nationaltheater (DNT) Weimar uraufgeführt wird, umgetrieben, sagt sie der Deutschen Presse-Agentur. Dennoch sei es wichtig, das Thema auf die Bühne zu bringen und aufzuarbeiten.

Wochenlang saß Schwesinger in Frankfurt am Main (Hessen) in dem Prozess um die Ermordung des Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübke. Erst einmal nur als private Beobachterin. In den Prozess gegen den Bundeswehroffizier Franco A. geht sie dann schon mit der bewussten Absicht, dazu zu arbeiten. In beiden Fällen geht es um rechten Terror. Beide Fälle werden in Frankfurt verhandelt. Teilweise im selben Saal, von denselben Richtern. «Da hat sich eine ganz spannende Parallelität gezeigt», sagt Schwesinger, «auch in den Fragen und Problemen».

Walter Lübcke war am 1. Juni 2019 auf der Terrasse seines Hauses mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe getötet worden. Die Tat gilt als erster rechtsextremistischer Mord an einem Politiker in der Bundesrepublik. Der Bundeswehroffizier Franco A. war im Juli nach 14 Monaten Prozess vom Oberlandesgericht Frankfurt unter anderem wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Er soll Angriffe auf hochrangige Politiker und Personen des öffentlichen Lebens geplant haben.

Gemeinsam mit den Dramaturginnen Julia Just und Fabiola Eidloth hat Schwesinger diese herausgearbeitet. Auch wenn es um Prozesse in Frankfurt am Main geht, gibt es laut Schwesinger eine Verbindung von «Werwolfkommandos» nach Weimar. «Beide Orte haben eine Verbindung zu den Themen und zu den Prozessen, die dort verhandelt worden sind», sagt sie.

Bereits seit Ende August war zudem ein künstlerisches Diskursprogramm der drei jungen Frauen zu rechtem Terror täglich im Festival-Pavillon auf dem Theaterplatz in Weimar zu sehen gewesen. Der Uraufführung als Gastspiel am DNT in Weimar soll am 20. Oktober dann die Frankfurter Premiere an den Landungsbrücken Frankfurt folgen.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Kunstfest rechten Terror in Deutschland und dessen Aufarbeitung in Gesellschaft, Politik und im Gerichtssaal in den Fokus nimmt. Im Vorjahr war unter anderem mit der Produktion «438 Tage NSU-Prozess - eine theatrale Spurensuche» der Prozess um die aus Thüringen stammende rechtsextremen Terrorgruppe «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU) auf die Bühne gebracht worden.

© dpa
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