Verein: Mehr Plätze für Kurzzeitpflege in Thüringen nötig

04.07.2022 Pflegebedürftige werden in Thüringen überwiegend von ihren Angehörigen zu Hause umsorgt. Für diese ist das meist ein Kraftakt und oft ein Spagat zwischen Beruf und Pflege. Eine Aktionswoche in Thüringen wirbt daher für mehr Anerkennung.

Die Hand einer Pflegefachkraft liegt auf der Hand einer Bewohnerin des Pflegeheims. © Sina Schuldt/dpa/Symbolbild

Pflegende Angehörige haben für ihre Arbeit mehr Unterstützung und eine bessere finanzielle Absicherung gefordert. Es mangele nach wie vor vor allem an Entlastungsangeboten, sagte Sigrun Fuchs, Vorstandsmitglied des Vereins «Wir pflegen in Thüringen». Trotz zunehmend mehr Pflegebedürftiger habe auch im Freistaat die Zahl der Kurzzeitpflegeplätze weiter abgenommen. Wenn Pflegende etwa durch Urlaub oder Krankheit verhindert seien, bekämen sie nur schwer einen Heimplatz auf Zeit für die Pflegebedürftigen.

Ein Grund dafür sei, dass sich die Kurzzeitpflege für die Träger finanziell und vom Aufwand her nicht rechne, sagte Fuchs. Nach letzten verfügbaren Zahlen des Statistischen Landesamtes gab es Ende 2019 in Thüringen 307 Plätze für die Kurzzeitpflege. Zwei Jahre zuvor waren es noch 320 Plätze. Die Zahl der Pflegebedürftigen sei innerhalb von zwei Jahren jedoch um 20 Prozent gestiegen, sagte Fuchs.

Wichtig seien ebenfalls eine besser Beratung für Angehörige und die Einführung einer Lohnersatzleistung analog dem Elterngeld, sagte Fuchs. Was bei der Erziehung von Kindern inzwischen selbstverständlich sei, gebe es in der Pflege noch nicht, wenn Angehörige zeitweise aus dem Berufsleben aussteigen müssten. Hier sei der Bundesgesetzgeber gefordert.

Sozialministerin Heike Werner (Linke) unterstützt die Forderung nach Einführung eines Familienpflegegeldes und einer Familienpflegezeit. Thüringen wolle dem Bund dafür einen konkreten Vorschlag zur Änderung der gesetzlichen Grundlagen unterbreiten, kündigte Werner an. «Die Situation der pflegenden Angehörigen sorgt im Endeffekt für eine nicht enden wollende Liste an Problemstellungen wie der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, dem Verlust von Karrierechancen und finanziellen Einbußen.»

Der Staat müsse gewährleisten, dass diese Situation für die Betroffenen nicht zur Armutsfalle werde, erklärte Werner. Laut Fuchs müssen viele ihren Job zumindest zeitweise aufgeben und leben in finanziell prekären Verhältnissen. «Beruf und Pflege zu vereinbaren ist aufgrund fehlender Unterstützung oft nicht möglich», kritisierte Fuchs.

In Thüringen gibt es mehr als 135.000 pflegebedürftige Menschen. Mehr als 80 Prozent davon werden nach Vereinsangaben in Thüringen zu Hause von ihren Angehörigen versorgt. Mit einer Aktionswoche rückt der Verein ab diesem Montag die Leistungen der geschätzt etwa 220.000 Angehörigen in Thüringen in den Mittelpunkt, die ihre Ehepartner, Eltern oder Kinder zu Hause pflegen.

Bis Sonntag stehen nach Angaben der Interessenvertretung pflegender Angehöriger landesweit mehr als 70 Veranstaltungen an 29 Orten auf dem Programm. Dazu zählen Informationsveranstaltungen und Gesprächsrunden, Treffen von Selbsthilfegruppen und fachpolitischen Diskussionen aber auch Möglichkeiten der Begegnung und für kleine Auszeiten. Zu den Herausforderungen der häuslichen Pflege gibt es am Montag im Landtag auch eine Podiumsdiskussion der Regierungsfraktionen.

© dpa

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