Mietsoftware von Intershop gefragt: Probleme mit Service

Der Jenaer Softwareanbieter Intershop liefert Programme, mit denen Unternehmen ihren Handel digital abwickeln können. Vielfach mieten die Kunden die Software - bei den Serviceleistungen, die dazu gehören, gab es zuletzt Probleme. Intershop will schneller werden.
Der Hauptsitz der Intershop AG am Jenaer Steinweg. © Martin Schutt/dpa/Archivbild

Der Jenaer Softwareanbieter Intershop hat wegen Problemen im Servicegeschäft in den ersten neun Monaten dieses Jahres rote Zahlen geschrieben. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei minus 1,1 Millionen Euro nach einem Plus von 1,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie Vorstandschef Markus Klahn am Mittwoch in Jena mitteilte. Gut entwickelte sich das Geschäft mit Mietsoftware, mit der Unternehmen ihren Internethandel abwickeln können. «Das läuft hervorragend, bei Dienstleistung sind wir aber noch nicht in der richtigen Spur», sagte Klahn.

Der Umsatz mit der sogenannten Cloud-Software, die die Kunden mieten können, legte um 27 Prozent auf 10,4 Millionen Euro zu. Früher konnten Kunden Software-Lizenzen bei Intershop nur kaufen, wenn sie die Programme nutzten wollten. Der Auftragseingang für Mietsoftware erhöhte sich um 65 Prozent auf 18,7 Millionen Euro und überstieg damit nach Angaben des Vorstandes das Umsatzniveau in diesem Bereich im gesamten Jahr 2021. Insgesamt erwirtschaftete Intershop ein Umsatzplus nach drei Quartalen von vier Prozent auf 27,6 Millionen Euro.

Der Vorstand des börsennotierten Unternehmen hatte vor einigen Wochen die Umsatz- und Ertragsprognose für 2022 heruntergeschraubt - nach einem schwachen ersten Halbjahr wegen Problemen mit der Abwicklung von Serviceprojekten. Klahn bekräftigte, dass nur noch ein Umsatz auf Vorjahresniveau erwartet wird bei einem negativen operativen Ergebnis im unteren einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Der Vorstandschef sprach von einer vorsichtigen Prognose. «Bisher hat noch kein Interessent sein Digitalisierungsvorhaben aufgrund der wirtschaftlichen Situation verschoben. Trotzdem müssen wir aufpassen.» Zu den Industriekunden gehörten auch energieintensive Unternehmen.

Bei Serviceprojekten - dazu gehören das Design von Internetplattformen für Kunden und ihre Einbindung in deren IT-System - habe es in diesem Jahr Zeitverzug gegeben. «Wir haben uns beim Zeitaufwand verkalkuliert», sagt Klahn. Interne Abläufe in diesem Bereich würden nun effizienter gestaltet. Drei Viertel des Servicegeschäfts in Deutschland und vor allem im Ausland laufe über Partner. Intershop beschäftigt 300 Software- und IT-Spezialisten.

An der Spitze des Aufsichtsrats steht ein Wechsel bevor. Dessen Vorsitzender, Christian Oecking, will sein Amt mit Wirkung zum 30. November 2022 aus persönlichen Gründen niederlegen. Vorgesehen sei die gerichtliche Bestellung von Frank Fischer, Vorstandsvorsitzender der Shareholder Value Management AG, als Aufsichtsratsmitglied.

© dpa
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