Karriereende: Rodel-Olympiasieger Ludwig hört auf

Lange grübelt Johannes Ludwig, ob er seine Rodel-Karriere noch vor der Heim-WM im nächsten Winter beendet oder noch ein Jahr dranhängt. Jetzt ist die Entscheidung gefallen.
Erstplatzierer Johannes Ludwig aus Deutschland zeigt seine Goldmedaille. © Michael Kappeler/dpa/Bildarchiv

Die Rodel-Weltmeisterschaften 2023 in Oberhof finden ohne den Lokalmatadoren Johannes Ludwig statt. Zumindest wird der 36-Jährige auf seiner Heimbahn nicht mehr auf dem Schlitten liegen. Am späten Montagabend zog der Polizeiobermeister einen Schlussstrich unter seine Karriere. Auf dem Gipfel des Erfolges beendete der dreimalige Olympiasieger aus Thüringen seine Laufbahn.

«Rennrodeln ist, seitdem ich sechs Jahre alt war, der grundlegende Inhalt meines Lebens. In den zurückliegenden 30 Jahren war nahezu jeder Tag vom Kufensport bestimmt und verlangte mir, aber auch meinem familiären Umfeld, große Entbehrungen», schrieb Ludwig in einer persönlichen Erklärung.

Ludwig stand lange im Schatten seines Teamkollegen Felix Loch. Doch als dieser bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang 2018 das Olympia-Gold im letzten Lauf verspielte, war Ludwig da und holte sich Bronze sowie Gold in der Staffel. Dieses Erfolgserlebnis setzte viele neue Kräfte frei. Acht seiner insgesamt zehn Weltcup-Einzel-Erfolge holte er in den vergangenen drei Saisons. Und zur Krönung gab es im vergangenen Winter nicht nur den Gesamtweltcup, sondern auch olympisches Gold im Einzel und mit dem Team.

Für seinen ehemaligen Auswahltrainer Thomas Schwab, den jetzigen Sportdirektor im Bob- und Schlittenverband für Deutschland, war der Thüringer in jeder Hinsicht ein Vorzeigesportler. «Johannes war ein höflicher, zuvorkommender, angenehmer Athlet. Er war sehr selbstkritisch, die Gespräche mit ihm aber immer konstruktiv», sagte Schwab.

Beim Trainingsfleiß sei Ludwig ein Lehrbeispiel für alle Trainer gewesen, weil er sein hohes Kraftniveau bis zum letzten Tag durch harte Arbeit gehalten habe. Seine enorme Armkraft, die stets zu Spitzenzeiten am Start führte, hatten ihm in Rodlerkreisen den Spitznamen «Dynamit-Hannes» eingebracht. Der Verband will Ludwig während der WM-Tage vom 23. bis 29. Januar nächsten Jahres einen würdigen Abschied bereiten.

Zudem hofft die Verantwortlichen, dass er sich im Verband weiter einbringt. «Ihm stehen bei uns alle Türen offen», sagte Schwab. Ludwig selbst will sich nun vornehmlich der Bundespolizei widmen. «Der Fokus wird jetzt aber zunächst auf meiner Familie liegen. Ich freue mich auf den Sommer und die Zeit mit meinen Kindern, die so lange auf mich verzichten mussten», schrieb er.

© dpa
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