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Leicht zunehmende Tendenz bei Feuerwehr-Unfällen

Sie leisten Hilfe, löschen, retten Leben: Freiwillige Feuerwehrleute begeben sich dabei aber auch in Gefahr. Zudem üben und trainieren sie, um fit zu sein. Die Unfallkasse verspürt etwas mehr Unfälle bei den Rettern. Das hat aber auch einen positiven Hintergrund.
Feuerwehr
Feuerwehrleute stehen hinter einem Einsatzfahrzeug. © Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolbild

Das Unfallgeschehen bei den Freiwilligen Feuerwehren in Sachsen-Anhalt und Thüringen bewegt sich wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. In diesem Jahr seien bis zum 1. November 1300 Unfälle gemeldet worden, teilte die Feuerwehr-Unfallkasse (FUK) der Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen auf Anfrage mit. In den Jahren 2013 bis 2019 seien regelmäßig um die 1500 Unfälle pro Jahr gemeldet worden. In den Pandemiejahren 2020 und 2021 lagen die Unfallzahlen mit 925 und 848 deutlich niedriger.

«Trotz der pandemiebedingten statistischen Unwägbarkeiten wird eine leicht zunehmend Tendenz bei der Gesamtunfallzahl verspürt», erklärte FUK-Geschäftsführer Detlef Harfst. «Dies kann mit zunehmenden Versichertenanzahlen - insbesondere im Kinder- und Jugendbereich - in Zusammenhang stehen. In beiden Ländern wird eine hervorragende Kinder- und Jugendarbeit mit zahlreichen Neugründungen von Kinder- und Jugendwehren geleistet.»

Die Feuerwehr-Unfallkasse Mitte ist Träger der gesetzlichen Unfallversicherung in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Zahlen werden nur für den gesamten Zuständigkeitsbereich ausgewiesen, nicht nach Ländern getrennt, wie es hieß. Zudem gibt es kein Versichertenkataster, so dass die FUK erst mit der Unfallmeldung oder dem Verdacht auf eine Berufskrankheit die Kontaktdaten der Versicherten erhält. Den Zuarbeiten und Veröffentlichungen der Bundesländer zufolge sind die Versichertenzahlen von 2019 bis 2023 von knapp 118.200 auf 120.350 gestiegen.

«Insgesamt spiegelt das Unfallgeschehen das Einsatzgeschehen wider», erklärte Harfst. Insbesondere in den heißen Sommern 2018, 2019, 2022 und der ersten Jahreshälfte 2023 habe es mehr Unfälle gegeben, etwa bei Vegetationsbränden. Bei den Einsätzen sei es zu typischen Herz-Kreislauf-Problemen auch mit Hitzschlag und Sonnenstich gekommen sowie zu Rauchgasintoxikationen beispielsweise bei Windwechsel. «Bei Einsätzen mit psychischen Belastungen ist ein deutlich verbessertes Meldeverhalten erkennbar», erklärte Harfst weiter. «Durch frühzeitige Intervention kann die Ausprägung von schweren psychischen Erkrankungsbildern vermieden werden.» Dazu gehöre etwa die posttraumatische Belastungsstörung.

Die häufigsten Unfallursachen sind Harfst zufolge mit Abstand Verletzungen der unteren Extremitäten durch Stolpern oder Ausrutschen. Von 894 anerkannten Versicherungsfällen im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt und Thüringen ereigneten sich der Statistik zufolge 273 unmittelbar bei der Brandbekämpfung und 102 bei technischen Hilfeleistungen. Im Schulungs- und Übungsdienst passierten 185 Unfälle, bei Körperschulungen und Sport 45, außerdem bei Wettbewerben, dem Arbeits- und Werkstättendienst oder Veranstaltungen.

Der Harzer Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse betonte die Bedeutung von Prävention, richtigem Schuhwerk, Abständen und dem richtigen Erwärmen vor Sport und Spiel. «Jeder Unfall ist einer zu viel.» Die meisten Unfälle geschähen außerhalb von Einsätzen. Bei Einsätzen fielen sie zum Teil aber schwerer aus.

Lohse forderte, dass leichte Einsatzbekleidung für die Bekämpfung von Vegetationsbränden als verbindlich erklärt wird. «Bislang steht das nirgendwo explizit.» Bürgermeister könnten die Beschaffung nicht so einfach durchsetzen. Dabei sei die übliche Schutzbekleidung ausgelegt auf Einsätze in Gebäuden, bei denen die Feuerwehrleute vor großer Hitze geschützt werden sollten. Bei einem Waldbrand bei 40 Grad Außentemperatur sei das nicht das Richtige.

Für Heilbehandlungen und Geldleistungen gab die FUK Mitte im vergangenen Jahr gut 2,77 Millionen Euro aus, 2019 waren es knapp 2,8 Millionen Euro gewesen. «Unser Ziel ist es nach Eintritt von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit mit allen geeigneten Mitteln wiederherzustellen», erklärte Geschäftsführer Harfst. «Aktuell haben wir einen Bestand von 125 Fällen, in denen wir Rente wegen verbliebener Schädigung zahlen.»

© dpa
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