Gericht schlägt mutmaßlichen Fußball-Gewalttätern Deals vor

Vor dem Landgericht Gera hat ein weiteres Verfahren gegen junge Männer begonnen, die im Verdacht stehen, Fußballfans des FC Carl Zeiss Jena überfallen zu haben. Der Prozessauftakt lief unerwartet.
Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Zum Beginn eines Verfahrens vor dem Landgericht Gera gegen mutmaßlich gewaltbereite Fußballfans aus dem Umfeld des FC Rot-Weiß Erfurt haben alle Angeklagten geschwiegen. Derzeit wollten sie keine Angaben zu den ihnen gegenüber erhobenen Vorwürfen machen, ließen sie am Dienstag noch vor Verlesung der Anklage durch ihre Verteidiger erklären. Unmittelbar zuvor hatte der Vorsitzende Richter der zuständigen Kammer ihnen Deals angeboten.

Sollten sie sich geständig zeigen, drohten ihnen maximal zwei Jahre Bewährungsstrafe, sagte er. «Als Obergrenze.» Geständnisse könnten den Prozess erheblich verkürzen, argumentierte der Richter. Später fügte er hinzu, im Falle einer Verurteilung müssten die Angeklagten die durch das Verfahren entstehenden Kosten übernehmen. Ohne Geständnisse würden diese Kosten höher ausfallen als bei geständigen Einlassungen, weil das Verfahren dadurch komplexer sei. «Das ist halt ein aufwendiges Verfahren, was entsprechend dauert und Geld kostet», sagte er.

In dem Verfahren sind fünf Männer im Alter von Anfang 20 bis Anfang 30 Jahren angeklagt. Die Staatsanwaltschaft Gera wirft ihnen vor, 2018 und 2019 an Angriffen gegen Fans des FC Carl Zeiss Jena im Raum Saalfeld beteiligt gewesen zu sein. Unter anderem sollen sie gemeinsam mit insgesamt etwa 40 anderen Erfurt-Fans Ende 2018 Jena-Fans am Bahnhof in Saalfeld angegriffen oder diesen Angriff unterstützt haben. Dabei sei ein Mann beispielsweise bewusstlos geschlagen und ihm seien zwei Jena-Schals entwendet worden, sagte der Staatsanwalt bei der Verlesung der Anklage.

Bei einem Übergriff Anfang 2019 auf Jena-Fans in einer Bowlingbahn in Saalfeld durch insgesamt 20 Angreifer sei ein Opfer mehrfach gegen den Kopf getreten worden. Die Tat sei «aus Abneigung» gegen Jena-Fans begangen worden, sagte der Staatsanwalt. Die Angeklagten müssen sich deshalb nun im Kern wegen gemeinschaftlichen Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch beziehungsweise der Beihilfe zu solchen Straftaten verantworten.

Der Prozessauftakt verlief anders als es zunächst erwartet: Nach früheren Angaben des Landgerichts hatte der Prozess eigentlich gegen acht Angeklagte geführt werden sollen. Drei dieser Verfahren wurden aber inzwischen abgetrennt. Zudem verzögerte sich die Verlesung der Anklageschrift, weil ein Verteidiger kurzfristig krankheitsbedingt nicht zum Termin erschienen war und einem Angeklagten erst ein Pflichtverteidiger beigeordnet werden musste.

Unklar blieb zum Prozessauftakt darüber hinaus auch, welche Verbindungen die Angeklagten zur Erfurter Fangruppierung «Jungsturm» haben. Das Landgericht Gera hatte diese Anfang 2021 in einem Urteil als kriminelle Vereinigung eingestuft, in der sich gewaltbereite und teilweise rechtsgerichtete Fans des FC Rot-Weiß Erfurt gesammelt hätten.

Es sei davon auszugehen, dass Mitglieder des Jungsturms und die Angeklagten sich kennten, sagte der Staatsanwalt am Rande des Prozesses. Mehr lasse sich über die Verbindungen der fünf Männer zum «Jungsturm» zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum sicher sagen. Die Staatsanwaltschaft ordne sie dem Spektrum gewaltbereiter Erfurt-Fans zu.

An den Übergriffen in Saalfeld auf die Jena-Fans waren nach früheren Feststellungen des Landgerichts Gera aus dem «Jungsturm»-Prozess auch Mitglieder dieser Gruppierung beteiligt gewesen.

© dpa
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