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Landesamt: Historisches Geburtentief droht in Thüringen

Thüringens Einwohnerzahl schrumpft. Und in diesem Jahr könnten nach Prognosen so wenige Kinder geboren werden wie zuletzt in der ersten Hälfte der 1990er Jahre.
Bevölkerung
Figuren von Menschen in verschiedenem Alter sind auf Fensterscheiben aufgeklebt. © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Die Zahl der Thüringerinnen und Thüringer ist innerhalb eines halben Jahres um rund 2800 Menschen gesunken. Hauptgrund sei das Geburtendefizit, das auch durch die Aufnahme von Migranten nicht ausgeglichen werden konnte, berichtete das Statistische Landesamt am Freitag in Erfurt. Insgesamt lebten Ende Juni rund 2.124.000 Menschen im Freistaat, jeweils etwa zur Hälfte Frauen und Männer.

Nach den Zahlen des Landesamtes kamen in der ersten Hälfte des Jahres 6731 Menschen mehr nach Thüringen als wegzogen. Damit konnte jedoch das Geburtendefizit von 9331 Menschen nicht ausgeglichen werden - die Einwohnerzahl schrumpfte.

Das Geburtendefizit resultierte daraus, dass in den ersten sechs Monaten 15.755 Menschen im Freistaat starben, etwa ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden 6424 Babys geboren und damit 537 oder 7,7 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2022.

Hochgerechnet auf das gesamte Jahr 2023 sei mit insgesamt etwa 13.000 Geburten zu rechnen, erklärten die Statistiker. «Diese Anzahl läge nahe an dem für Thüringen historischen Tief von 12 721 Geburten im Jahr 1994.»

In der ersten Jahreshälfte kamen 31.867 Menschen nach Thüringen - 28,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Zuzug von Menschen aus dem Ausland sank um 11.746 Menschen im Vergleich zu dem Zuzug aus dem Ausland im Vorjahreszeitraum, als 32.373 Menschen kamen. 25.136 Menschen verließen den Freistaat, darunter 11.969 Ausländer - ein Plus von 14,4 Prozent. Durch die Wanderung zwischen den Bundesländern verlor Thüringen 1927 Menschen, weil mehr gingen als kamen.

Einen leichten Einwohnerzuwachs verzeichneten nach den Zahlen des Landesamtes Thüringens drittgrößte Stadt Gera mit 692 Einwohnern im ersten Halbjahr und minimal der Kyffhäuserkreis mit 24 Einwohnern. Alle anderen Kreise hätten einen Einwohnerverlust verbucht - den größten die Stadt Suhl mit 544 Menschen. Aber auch Thüringens wichtigste Industriestadt Jena verlor Einwohner - exakt 431.

© dpa
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