Erste Verfahren der EKM zur Anerkennung von DDR-Unrecht

Es wurde Unterstützung in Notlagen versagt, der berufliche Lebensweg oder ein Neuanfang in Westdeutschland erschwert. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland bemüht sich um die Anerkennung von DDR-Unrecht in Kirchenkreisen.
Stasi-Akten sind im Stasi-Archiv in Berlin zu sehen. © Stephanie Pilick/dpa/Archivbild

Ein Jahr, nachdem die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ein Anerkennungsverfahren für Opfer der SED-Diktatur gestartet hat, sind die ersten Fälle abgeschlossen. Mit vier Betroffenen wurde eine Anerkennungsvereinbarung getroffen, die größtenteils auch umgesetzt wurde, erklärte der für die Seelsorge für Diktaturopfer zuständige Pfarrer Christian Dietrich auf Nachfrage. Es habe finanzielle Anerkennungen gegeben. «Formen der konkreten öffentlichen Anerkennung wurden noch nicht praktiziert. Sie waren in den abgeschlossenen Verfahren auch nicht Teil der Erwartung der Betroffenen.» Sieben Anerkennungsverfahren liefen derzeit.

Mit dem Anerkennungsverfahren will die EKM Verantwortung gegenüber Menschen übernehmen, die während der SED-Diktatur in kirchlichen Kreisen zu Opfern wurden. Es geht um Menschen, die aus politischen Gründen drangsaliert und in ihren Kirchen disziplinarisch belangt wurden sowie um solche, die durch Verrat aus kirchlichen Kreisen inhaftiert, gedemütigt, traumatisiert oder zur Ausreise gedrängt wurden. Betroffene können bis zum 30. April 2023 Anträge stellen. Als Ombudsperson zur Unterstützung von Antragstellern wurde die frühere DDR-Oppositionelle Hildigund Neubert beauftragt.

Antragsteller seien etwa Menschen, denen in existenziellen Notlagen, die vom SED-Staat verursacht wurden, eine mögliche Unterstützung durch kirchliche Mitarbeiter verweigert wurde, erklärte Christian Dietrich weiter. Es gehe aber auch um Menschen, die aufgrund politischer Verfolgung die DDR verlassen haben und denen ein Neuanfang in der Bundesrepublik durch den Entzug kirchlicher Rechte erschwert wurde. Andere seien nicht in eine ihnen entsprechende kirchliche Anstellung gekommen.

Es hätten sich bislang weniger als 40 Personen mit einem persönlichen Anliegen an die Ombudsfrau oder den Anerkennungsausschuss gewandt. In manchen Fällen sei lediglich ein Gespräch erwünscht gewesen oder es habe sich gezeigt, dass der Ausschuss nicht zuständig ist. Zudem hätten auch Menschen darum gebeten, es möge nicht vergessen werden, welche Hilfe und Unterstützung sie durch bestimmte kirchliche Mitarbeiter während ihrer Haft oder der politischen Verfolgung erfahren hätten.

© dpa
Weitere News
Top News
Formel 1
Formel 1: Verstappen nutzt Titelchance nicht - Perez siegt in Singapur
People news
Energiekrise: Van Almsick sorgt sich um Schwimmausbildung
Tv & kino
ProSieben-Show: «Masked Singer»: Katja Burkard als erste Prominente enttarnt
People news
Monarchie: Klimagipfel - König Charles reist nicht nach Ägypten
Internet news & surftipps
Finanzen: Bitcoin: Virtuelles Schürfen wird immer klimaschädlicher
Handy ratgeber & tests
Featured: Archero-Tipps: Gibt es Cheats oder Promo-Codes für das Handyspiel?
Handy ratgeber & tests
Featured: Gibt es Promo-Codes im Oktober 2022 zu RAID: Shadow Legends?
Wohnen
Hydraulischer Abgleich : Nicht umlegbar: Kosten für Heizungsoptimierung
Empfehlungen der Redaktion
Inland
Opferbeauftragte: Zupke fordert von Firmen Geld für DDR-Zwangsarbeit
Regional thüringen
Kulturstaatsministerin: Roth: SED-Diktatur nicht zu den Akten legen
Regional thüringen
Aufarbeitung: Gesundheitsfolgen durch Diktatur: Geringe Anerkennungsqoute
Regional thüringen
Erfurt: Bis zu 13.000 junge Teilnehmer zum Christival erwartet
Regional sachsen anhalt
Glaube: Deutlich weniger Taufen in Mitteldeutschland
Regional thüringen
Kirche: Landesbischof übernimmt Predigten an der Ostsee
Regional berlin & brandenburg
Berlin: Würdigung der DDR-Opposition: Beauftragter für neues Zentrum
Regional bayern
Justizbericht: Missbrauch in der Kirche: 30 Verurteilungen in Bayern