Kinder und Jugendliche weniger geimpft als vor Corona

Die Bereitschaft von Kindern und Jugendlichen in Thüringen, sich impfen zu lassen, ist im bundesweiten Vergleich recht gut. In der Corona-Pandemie gab es aber deutlich weniger Pikse, wie eine Auswertung zeigt. Vor allem eine Impfung wurde viel seltener verabreicht.
Ein kleines Mädchen wird in einem mobilen Impfzentrum für Kinder gegen das Coronavirus geimpft. © Daniel Reinhardt/dpa/Archivbild

In der Corona-Pandemie sind weniger Kinder und Jugendliche in Thüringen gegen andere Krankheiten als Covid geimpft worden als davor. Im Vergleich zum Jahr 2019 sind im Freistaat aktuell rund sechs Prozent weniger Jungen und Mädchen geimpft. Das geht aus dem Kinder-und Jugendreport der Krankenkasse DAK hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag. In die Analyse gingen rund 17.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren ein, die in den Jahren 2019 bis 2021 bei der DAK-Gesundheit in Thüringen versichert waren. Nach Hochrechnungen des Versicherers, der in Thüringen rund 130.000 Mitglieder zählt, wurden somit rund 24.000 Kinder und Jugendliche weniger geimpft als im Vergleichsjahr 2019. Im Vergleich zum Bund, wo ein Rückgang von elf Prozent zu verzeichnen sei, sei die Abnahme in Thüringen aber deutlich geringer.

Die meisten aller gesetzlich Krankenversicherten in Thüringen zählt die AOK PLUS mit rund einer Million Versicherten (51,8 Prozent). Auch hier zeigte eine Auswertung der Daten von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 17 Jahren einen Rückgang der Impfungen von rund neun Prozent.

Besonders ausgeprägt ist der Rückgang in den Auswertungen beider Krankenkassen bei Impfungen gegen das Papillomavirus (HPV). Das Virus kann unter anderem Gebärmutterhalskrebs auslösen. «Insbesondere die Abnahme bei HPV-Impfungen gibt uns Anlass zur Sorge», sagte der Landeschef der DAK-Gesundheit in Thüringen, Marcus Kaiser. Im Vergleich zu den Gesamt-Impfdaten, welche sowohl Erst- als auch Letztimpfungen eines Impfzyklus berücksichtigen, seien insbesondere für die HPV-Erstimpfung bei Jungen und Mädchen während der Pandemie deutliche Rückgänge zu beobachten.

2021 ging die Zahl der HPV-Gesamtimpfungen hier um 33 Prozent im Vergleich zu 2019 zurück. Bei den Erstimpfungen betrug der Rückgang bei den Jungen rund 44 Prozent, bei den Mädchen blieb die Erstimpfung bei rund 18 Prozent aus. Während der Pandemie ausgefallene oder verschobene Erstimpfungen sollten möglichst zeitnah nachgeholt werden, empfahl Kaiser.

Die DAK-Daten sind fast deckungsgleich mit denen der AOK. Auch hier wurde bei einer Auswertung zur HPV-Impfung eine Abnahme von insgesamt rund 34 Prozent dokumentiert; wobei der Rückgang auch hier bei den Jungen (minus 43 Prozent) fast doppelt so hoch war als bei den Mädchen (minus 23 Prozent). In die Analysen gingen jeweils versicherte Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 17 Jahren ein.

Bei der Analyse der DAK zeigte sich zudem, dass auch bei der Impfung gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung die Impfzahlen während der Pandemie bei DAK-Versicherten mit minus 23 Prozent deutlich sanken. Sowohl die Vierer-Impfung als auch die HPV-Impfung sind zeitlich flexibel zu setzen. «Bei der Interpretation der Ergebnisse muss beachtet werden, dass neben den von der Stiko empfohlenen Impfungen etwa gegen Maser, Röteln und Diphterie auch Reiseimpfungen wie Cholera und Tollwut eingerechnet sind», teilte die AOK mit Blick auf die Zahlen der DAK mit. Die Aussage, dass durch die Pandemie somit weniger Kinder und Jugendliche geimpft wurden, stimme also «nur bedingt». Ebenfalls solle berücksichtigt werden, dass Reisen nur eingeschränkt möglich waren und somit Reiseimpfungen nicht zwingend notwendig waren.

© dpa
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