Notaufnahmen: Längere Wartezeiten, keine Dauerschließung

Krankheitsausfälle beim Personal können auch Notaufnahmen von Kliniken an ihre Grenzen bringen. Es ist aber kein Massenphänomen, dass sich überlastete Notaufnahmen von der Rettungsleitstelle abmelden.
Ein Schild weist auf die Notaufnahme eines Krankenhauses hin. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Trotz der in Corona-Zeiten teils angespannten Personalsituation an Krankenhäusern ist der Betrieb der dortigen Notaufnahmen nach Einschätzung von Fachleuten auf absehbare Zeit gesichert. «In Thüringen sind uns keine dauerhaften Engpässe bekannt», teilte der Geschäftsführer der Thüringer Landeskrankenhausgesellschaft, Rainer Poniewaß, in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Abhängig von der jeweiligen Auslastung seien temporäre Aufnahmestopps nichts Ungewöhnliches, Schließungen von Notaufnahmen etwa am Wochenende seien aber nicht absehbar.

Auch beim Gesundheitsministerium sind nach Angaben einer Sprecherin keine Meldungen oder Hinweise zu besonderen Problemlagen eingegangen. Im Freistaat behandelten alle 45 Krankenhäuser Notfälle nach ihrem Versorgungsauftrag, so Poniewaß. Belastungsspitzen könnten wegen krankheitsbedingter Personalausfälle in den Kliniken bei gleichzeitig sehr vielen Patienten entstehen.

Im Extremfall könnten sich Notaufnahmen wegen Überlastung zeitweise von der Rettungsleitstelle abmelden. Patienten, die vom Rettungsdienst abgeholt werden, würden dann auf andere Notaufnahmen verteilt. Das passiere aber nur in Einzelfällen und sei nicht vorherseh- oder planbar, erklärt Poniewaß.

Einzelne solcher Fälle waren zuletzt auch in Thüringen bekannt geworden. In jedem Fall müsse eine ausreichende Erstversorgung und eine ungefährdete Verlegung in ein anderes Krankenhaus gesichert sein, so das Gesundheitsministerium.

Für Mehrbelastung sorgen der Landeskrankenhausgesellschaft zufolge unter anderem Patienten, die keine echten Notfälle sind und trotzdem die Notaufnahme in Anspruch nehmen - etwa, weil der Hausarzt am Wochenende oder nachts geschlossen habe. Auch solche Patienten würden aufgrund der Versorgungspflicht nicht weggeschickt, allerdings sei mit längeren Wartezeiten zu rechnen.

Für akute, aber nicht lebensbedrohliche Gesundheitsprobleme außerhalb der regulären Praxissprechzeiten ist eigentlich der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der bundeseinheitlichen Telefonnummer 116 117 zuständig. Dieses Angebot sei noch zu wenig bekannt, so Poniewaß.

«Die in Notaufnahmen übliche medizinische Ersteinschätzung (Triagierung) bestimmt die Behandlungsreihenfolge, sodass die Versorgung entsprechend der Krankheits- und Beschwerdebilder erfolgt», erklärt Gesine Grimm für die Helios-Krankenhäuser in Meiningen, Gotha, Blankenhain und Erfurt. Aufgrund des saisonal bedingten hohen Patientenaufkommens könne es derzeit zu längeren Wartezeiten kommen als üblich.

Der Landeskrankenhausgesellschaft zufolge wären zur Vermeidung zeitweiliger Abmeldungen zusätzliches Personal, ein Bürokratieabbau und eine geringere Regulierung durch den Gesetzgeber nötig. Die starren Personalvorgaben der Bundesgesetzgebung hätten sich in den vergangenen Jahren immer stärker von der Versorgungswirklichkeit und der Abbildung der tatsächlichen Versorgungsverhältnisse entfernt.

Dem Thüringer Krankenhausgesetz zufolge sind grundsätzlich alle Thüringer Kliniken im Rahmen ihres Versorgungsauftrags und ihrer Leistungsfähigkeit zur Aufnahme und Versorgung von Notfallpatienten vorrangig verpflichtet. Konkrete Daten zu Wartezeiten in den Notaufnahmen liegen dem Gesundheitsministerium nicht vor.

© dpa
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