Pflegekosten in Thüringen stark gestiegen

Pflegebedürftige in thüringischen Heimen zahlen heute deutlich mehr aus eigener Tasche als noch vor einem Jahr. Zum 1. Januar wurden für Heimbewohner in ihrem ersten Jahr 2029 Euro Eigenanteil fällig, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) ergab. Das waren demnach 257 Euro mehr pro Monat als Anfang 2022 und entspricht einer Steigerung um rund 15 Prozent. Auch für die Höchstbezuschussten lag der Eigenanteil mit 1434 Euro rund acht Prozent über dem, was Heimbewohner und ihre Angehörigen Anfang 2022 gezahlt haben. Der Eigenanteil sinkt mit jedem Jahr im Pflegeheim, weil die Pflegekasse einen steigenden Zuschuss an das Heim zahlt.
Eine Pflegefachkraft hilft in der ambulanten Pflege einer Frau beim Aufstehen. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Dass der Eigenanteil so stark gestiegen ist, liegt nach Angaben des vdek daran, dass die Beschäftigten in der Pflege inzwischen nach Tarif bezahlt werden müssen. So stiegen zwar auch die Zuschüsse um etwa ein Drittel – die höheren Personal- und Lebensmittelkosten konnten so allerdings nicht aufgefangen werden. Einrichtungen müssen ihre Pflegekräfte seit dem 1. September 2022 nach Tarifverträgen oder ähnlich bezahlen, um mit Pflegekassen abrechnen zu können.

Die Chefin des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, forderte eine «Pflegereform in einem Guss». Nötig sei ein Finanzkonzept mit fest verankerten und dynamisierten Steuerzuschüssen.

Nach den jüngsten Zahlen des Landesamts für Statistik lebten Ende 2021 insgesamt 166.000 pflegebedürftige Menschen in Thüringen - das entspricht etwa acht Prozent der Bevölkerung. Für die Auswertung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wurden Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Bundesländern ausgewertet. Die Daten beziehen sich auf Bewohner mit den Pflegegraden 2 bis 5.

Die Thüringer CDU-Fraktion sprach sich für eine Deckelung der Pflegekosten aus. Dafür solle sich die Landesregierung beim Bund einsetzen. «So können die finanzielle Überlastung der Pflegebedürftigen verhindert und die zu erbringenden Pflegekosten begrenzt werden», sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Thüringer CDU-Fraktion, Christoph Zippel. Die Menschen sollten im Alter in Würde und nicht in Angst leben. Der Landesregierung warf er vor, noch keine Initiative im Bundesrat für einen Kostendeckel gestartet zu haben.

© dpa
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