Städte hoffen auf Zukunftszentrum und Millioneninvestitionen

29.06.2022 Es geht um viel Geld und Mehrwert für die Region: Seit die Bundesregierung Pläne für ein «Zukunftszentrum Deutsche Einheit und Europäische Transformation» veröffentlicht hat, rauchen in einigen Städten die Köpfe.

Ein Fahrgast steigt mit seinem Rad in eine S-Bahn. © Andreas Arnold/dpa/Symbolbild

Prestige, Hunderte Millionen Euro und bis zu eine Millionen Besucher jährlich: Die Bundespläne für ein «Zukunftszentrum Deutsche Einheit und Europäische Transformation» wecken bei Thüringer Städten Begehrlichkeiten. Die Stadt Jena verbindet mit der Bewerbung für ein solches Kultur- und Forschungszentrum auch die Hoffnung auf einen wieder besseren Anschluss an das ICE-Netz, wie Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) am Mittwoch deutlich machte. Neben Jena haben auch Eisenach und Mühlhausen - gemeinsam mit dem hessischen Eschwege - ihr Interesse am Zukunftszentrum bekundet.

Alle drei Bewerber stellen sich in einer Präsentation in der Thüringer Staatskanzlei vor - Eisenach ist damit schon durch, Jena und Mühlhausen haben noch Termine. Auf dieser Basis soll dann das Kabinett entscheiden, ob sich der Freistaat Thüringen offiziell für eine der drei Städte positioniert, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei. Die Regierung hatte schon im vergangenen Jahr jeweils 50.000 Euro für die Vorbereitungen zu den Bewerbungen zur Verfügung gestellt.

Mit dem Zukunftszentrum will die Bundesregierung die Erfahrung der Ostdeutschen mit Wandel und Umbrüchen würdigen. Das Zentrum soll bis 2028 in einem neuen oder umgestalteten Gebäude in Ostdeutschland Platz finden. Es soll den Plänen zufolge drei Aufgaben haben: Zum einen soll zu den Umbrüchen nach der Vereinigung geforscht werden; zum anderen soll das Zentrum Platz für Ausstellungen bieten, die die Leistung der Ostdeutschen würdigen, sowie einen Raum für Begegnungen und Veranstaltungen.

Die Städte hoffen neben den Investitionen von bis 200 Millionen Euro für den Bau und rund 45 Millionen Euro jährlich für den Betrieb auch auf 200 neue Arbeitsplätze. Die offizielle Ausschreibung könnte noch im Juli veröffentlicht werden, dann startet der Standortwettbewerb. Aus anderen Bundesländern haben etwa Magdeburg, Leipzig und Frankfurt an der Oder ihren Hut in den Ring geworfen.

In Jena könnte das Zentrum auf dem zentralen Eichplatz entstehen, erklärte Nitzsche. Insgesamt seien dafür momentan 25.000 Quadratmeter Nutzfläche im Spiel. Beteiligt an der Jenaer Bewerbung ist auch die Friedrich-Schiller-Universität. In Eisenach ist eine Anbindung an die Wissenschaft etwa mit der Dualen Hochschule Gera-Eisenach und deren 1500 Praxispartnern gegeben.

Nitzsche zufolge könnte ein solches Zentrum bis zu eine Millionen Besucher jährlich anziehen. «Das hätte immense Auswirkungen auf die gesamt Region», sagte er. Das Jenaer Planetarium als aktueller Hauptanziehungspunkt für Besucher ziehe jährlich rund 150.000 Menschen an. Es brauche aber etwa in Hotellerie und Gastronomie noch mehr Kapazitäten.

«Wenn es gelingt, das Zukunftszentrum hierher zu holen, dann wird das selbst eine Gravitationswirkung entfalten, die unter anderem den Bund oder die Bahn manche Fragen vielleicht noch einmal anders anschauen lässt», sagte Nitzsche weiter. Er verwies dabei auch auf Chemnitz, das als europäische Kulturhauptstadt 2025 ausgewählt wurde. Von der sächsischen Stadt aus fahren seit Mitte Juni nach 16 Jahren Pause wieder Fernzüge nach Berlin. Jena hatte seinen Anschluss an das ICE-Netz verloren, nachdem Erfurt im Dezember 2017 zum ICE-Kreuz der Bahn aufstieg.

© dpa

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