Thüringen will CO2-neutral wirtschaften: Milliarden nötig

Thüringens Wirtschaft soll künftig kaum noch das Treibhausgas CO2 in die Luft blasen. Die Reduzierung von Kohlendioxidemissionen wird ein Kraftakt, auch finanziell, machte die Landesregierung deutlich.
Ein Solarpark unter wolkigem Himmel. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Nach Prognosen müssen rund 100 Millionen Euro investiert werden, um Thüringens größtes Gewerbegebiet «Erfurter Kreuz» bei Arnstadt weitgehend mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Geplant sei, das Areal mit derzeit rund 100 Unternehmen und etwa 8000 Beschäftigten zum Pilotprojekt für eine CO2-neutrale Energieversorgung in Thüringen zu entwickeln, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Carsten Feller am Dienstag in Erfurt. «Dafür brauchen wir die Unterstützung vom Bund.» Geplant sei eine Versorgung vor allem mit Wind- und Solarstrom.

Die Anlagen sollen entlang der Autobahnen, aber auch auf ungenutzten Teilen des Truppenübungsplatzes Ohrdruf entstehen. Das «Erfurter Kreuz» sei Teil einer Dekarbonisierungsstrategie, die Thüringen umsetzen wolle. Dabei geht es darum, den CO2-Ausstoß durch erneuerbare Energiequellen und Energieeffizienz stark zurückzufahren. «Wir wollen, dass bis 2030 weite Teile der Industrie Co2-neutral produzieren.»

Viele Unternehmen legten schon jetzt Wert auf ein möglichst klimaschonendes und schrittweise CO2-neutrales Wirtschaften, sagte Feller. Der Batteriehersteller Catl, der derzeit am «Erfurter Kreuz» eine große Fabrik für Autobatterien errichtet, plane beispielsweise die bisher größte Solarfläche in Thüringen auf seinen Hallendächern.

Der Staatssekretär bezeichnete die Umstellung auf CO2-neutrale Energiequellen und Produktionsprozesse als existenzielle Herausforderung. Nach einer Studie und Schätzungen des Ministeriums müsste allein die Thüringer Wirtschaft im Zeitraum bis 2045 dafür etwa neun Milliarden Euro investieren - im Schnitt 360 Millionen Euro pro Jahr.

Dafür müssten Bund und Land Förderprogramme auflegen. Thüringen werde seine Programme und Förderrichtlinien unter diesem Aspekt durchleuchten und auf das Ziel Dekarbonisierung ausrichten. 412 der insgesamt fast 1700 Industriebetriebe mit 20 und mehr Beschäftigten gehörten zu Branchen, die als energieintensiv gelten.

Die AfD-Fraktion warf der Landesregierung vor, eine «milliardenschwere Deindustrialisierung der Wirtschaft» zu planen.

Nach Angaben von Feller will Thüringen unter anderem beim Bund errreichen, dass eine geplante Pipelinie für grünen Wasserstoff, der an der Küste mit Windstrom erzeugt werde, nicht nur von Rostock in den Ballungsraum Halle/Leipzig führe, sondern nach Thüringen verlängert werde. Er räumte aber ein: «Es wird Jahre dauern, bis Wasserstoff aus dieser Welle kommt.» Thüringen habe deshalb auch eine eigene Wasserstoffstrategie und -allianz der Industrie.

© dpa
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