Großbrand im Harz: Natur pur, aufforsten und Brandschutz

Vor einer Woche kämpften Hunderte Feuerwehrleute gegen die Flammen im Nationalpark Harz bei Schierke. Das Feuer ist aus, die Aufräumarbeiten laufen. Im Nationalpark stellt sich die Frage: Wie geht es weiter?
Roland Pietsch, Leiter des Nationalparks Harz steht vor einer verkohlten Waldfläche. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Ein rußiger Geruch liegt noch in der Luft, letzte Feuerwehrschläuche liegen ausgerollt am Wegesrand, schwarz ragen die Fichtenstämme in den Himmel. Viele sind von allein abgebrochen. Andere wurden abgesägt, um die Einsatzkräfte zu schützen. Vor einer Woche brannten und glühten die abgestorbenen Fichten wie Fackeln. Es war mit einer betroffenen Fläche von 3,6 Hektar der bislang größte Brand im Nationalpark Harz, wie Nationalparkleiter Roland Pietsch am Freitag sagte. Die Rauchwolken waren weithin zu sehen. Hunderte Feuerwehrleute waren an den Löscharbeiten beteiligt, erst am Sonntag konnte «Feuer aus» gemeldet werden. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden.

Brandwachen haben in den vergangenen Tagen Ausschau gehalten nach Glutnestern, von denen weiter Gefahr ausgeht. Inzwischen hat sich die Lage entspannt. Es herrscht nicht mehr wie bei Brandausbruch die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5, sondern 3. Die Dampfloks der Harzer Schmalspurbahnen fahren seit Freitag wieder auf den Brocken. Als Reaktion auf den Großbrand hatten sie in dieser Woche zwischen Drei Annen Hohne und dem Brockenbahnhof nur noch Dieselloks eingesetzt. Der Brand soll unweit der Bahnstrecke ausgebrochen sein.

Es ist also Zeit zu überlegen, wie es weitergeht. Nationalparkleiter Roland Pietsch blickt auf die verkohlten Stämme. Sie gehören zu dem Teil des Nationalparks, in dem so wenig wie möglich von Menschenhand eingegriffen wird. Die Natur bleibt sich selbst überlassen - sie wird auch auf dieser Fläche zurückkehren. Wissenschaftler würden das brandökologisch untersuchen. «Ein Nationalpark ist nun mal auch ein Wissenschaftsraum», sagt Pietsch.

Es werde sehr schnell wieder grün, der Boden sei gedüngt mit der Asche. «Es wird sich sehr schnell die Birke einfinden und auch Gras und Buscharten. Ich glaube, wenn wir in einem Jahr hingehen, wird das aussehen, wie eine schöne grüne, satte Rasenfläche.» Eine Beobachtung haben Pietsch und seine Kollegen schon gemacht: «Es ist auch ein touristisches Highlight geworden mittlerweile.»

Auf der anderen Seite des Weges hat der Nationalpark viele tote Fichtenstämme abgesägt. Zum einen sollte so ein Übergreifen der Flammen verhindert werden, zum anderen soll dort neu gepflanzt werden. Buchen sollen dort künftig stehen, sagte Pietsch. Und auch etwas weiter in Richtung des Schierker Bahnhofs hat der Nationalpark in einer großen Aktion mit schweren Forstgeräten mehrere Hektar von Totholz befreit und mit der Schneise für Sicherheit gesorgt. Am Freitag waren auch dort noch Arbeiter dabei, Stämme wegzurücken.

Der Ruf nach noch mehr Schneisen zum Brandschutz im Nationalpark war gleich nach dem Brand zu hören. Eine Arbeitsgruppe soll einen Plan erarbeiten, wo sie nötig sind. Pietsch setzt darauf, das bestehende Wegenetz zu nutzen. Sie müssten eventuell noch etwas erweitert werden. «Was jedenfalls nicht passieren wird, dass wir hier ein schachbrettartiges Muster von Brandschneisen durchziehen. Das ist nicht erforderlich, auch aus Sicherheitsgründen, und letztlich auch nicht machbar. Denn es ist ein Schutzgebiet nach internationaler Norm und wenn wir hier massiv eingreifen würden, würde dieses Schutzgebiet auch als touristischer Hotspot seinen Ruf und damit auch sein Label verlieren.» Es stehe die Frage: Kann es noch ein Nationalpark sein, wenn man so stark eingreift?

Ringsum sind tote Fichten zu sehen. Die von den Menschen angelegte Monokultur ist ein grundlegendes Problem des 25 000 Hektar großen Nationalparks Harz. Rund 80 Prozent des Baumbestandes macht die Fichte aus, sagt Pietsch. Davon wiederum seien 85 bis 90 Prozent abgestorben. Trockenheit und Schädlinge wie der Borkenkäfer gehören zu den Gründen. Und dann halten die hohen Fichten, die zu den Flachwurzlern zählen, den massiven Stürmen nicht stand und fallen reihenweise um. Teils wird wieder aufgeforstet, teils wird die natürliche Entwicklung abgewartet.

Während des Gesprächs mit dem Nationalparkleiter ist im Hintergrund ein Zug der Schmalspurbahnen zu sehen, gezogen von der Dampflok. Pietsch sieht eine detaillierte Ursachensuche des Waldbrandes für notwendig. Dabei müsse auch auf die Schmalspurbahnen geschaut werden. Er finde es konsequent und richtig, dass die HSB bei Waldbrandgefahrenstufe 5 nicht mehr mit Dampfloks auf den Brocken fahre.

«Ich würde mir aber wünschen, dass es auch bei 4 grundsätzlich ausgesetzt wird, bevor nicht alle Ursachen ausgeschlossen sind», sagte Pietsch. Es müsse eine ehrliche und tiefe Analyse geben. Untersuchungen mit Wärmebildkameras sind aus Pietschs Sicht mit Blick auf Funkenflug denkbar. HSB-Sprecher Dirk Bahnsen sagt, man sei an einer Aufklärung sehr interessiert und beteilige sich auch aktiv. Die HSB führen allerdings auch seit fast 30 Jahren mit Dampfloks auf den Brocken und seien nie als Brandursache ausgemacht worden. Es dürfe keine Vorverurteilungen geben.

© dpa
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