Studie: Kali-Vorkommen im Eichsfeld rentabel

Generationen von Bergleuten haben in Nordthüringen Kali abgebaut. Nach der Wiedervereinigung kam das umstrittene Aus für die Bergwerke. Nun scheint ein Neuanfang mit einer Großinvestition möglich.
Rohe liegen bereit für eine Tiefbohrung in der Kalilagerstätte unter dem Ohmgebirge bei Worbis. © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Die Chance, dass der traditionelle Kali-Bergbau in Nordthüringen wiederbelebt wird, ist gestiegen. Die Vorkommen im Thüringer Eichsfeld seien nach einer Studie «äußerst rentabel», teilte die Südharz Kali GmbH am Montag an ihrem Sitz in Erfurt mit. Jährlich könnte im Schnitt eine Million Tonnen Kali-Dünger produziert werden. Das Unternehmen mit australischer Muttergesellschaft hatte in den vergangenen Monaten Kali-Lagerstätten in Nordthüringen erkundet und Bohrungen bei Worbis und Haynrode im Ohmgebirge veranlasst.

Damit sei die wirtschaftliche Bewertung der Kali-Lagerstätte im Ohmgebirge abgeschlossen. Erstmals sei das Vorkommen damit anhand internationaler Standards bewertet worden. Noch bis Jahresende solle eine Standortentscheidung für ein Bergwerk gefällt werden, sagte die deutsche Regionalmanagerin Babette Winter der Deutschen Presse-Agentur.

Dann folgten nach dem Zeitplan, den sich die Südharz Kali GmbH und ihre börsennotierte australische Muttergesellschaft South Harz Potash Ltd. gegeben haben, Machbarkeitsstudie und Antrag auf ein Raumordnungsverfahen, Umweltverträglichkeitsprüfung sowie das Planfestellungsverfahren mit Anhörungen, so Winter.

Mit dem Baubeginn für das Kali-Werk und die beiden vorgesehenen Schächte in die Tiefe würde 2026/27 gerechnet. «Das ist sehr sportlich», sagte Winter. Veranschlagt würden Investitionen von 620 Millionen US-Dollar (608 Millionen Euro) «nach heutigen Preisen». Im Gegensatz zu herkömmlichen Kali-Bergwerken solle es keine dauerhafte Abraumhalde geben - das Material würde in die unterirdischen Hohlräume zurück gebracht.

In der Region im Norden Thüringens hat der Kali-Bergbau eine lange Tradition. Bis wenige Jahre nach der Wiedervereinigung hatte es mehrere Kali-Bergwerke gegeben. Das wegen eines mehrwöchigen Hungerstreiks der Bergleute bekannteste ist das Ende 1993 geschlossene in Bischofferode. Es kann für den Bergbau nicht mehr genutzt werden, weil die unterirdischen Hohlräume geflutet wurden.

Wie bereits die beiden Bestätigungsbohrungen in der ersten Hälfte des Jahres gezeigt hätten, sei die Region ein attraktiver Abbauort für den Düngerrohstoff, erklärte die Südharz Kali GmbH. Mit einer umgerechneten Kaliumoxid-Dichte von durchschnittlich 13,5 Prozent eigne sich das Mineral unterhalb der Ohmberge hervorragend für den Abbau. Für den Standort spreche auch die lange Bergbautradition der Region und die gute Anbindung an die Infrastruktur.

Ian Farmer, geschäftsführender Verwaltungsratsvorsitzender der South Harz Potash Ltd., sprach von einem großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potenzial. «Wir sind uns der Tradition der Region bewusst und möchten an diese anknüpfen. Fragwürdige Entscheidungen in der Vergangenheit haben die Menschen im Südharz belastet.»

Laut Umweltministerium ist die Kali Südharz GmbH eine relativ junge Firma, die bisher nur exploriert und noch keinen Bergbau betreibt. Das heiße, es gebe noch keine Erfahrungswerte, wie nachhaltig das Unternehmen tatsächlich Bergbau betreiben will und kann.

© dpa
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