Umstellung auf digitalen Krankenschein mit Problemen

Wer krankgeschrieben ist, muss sich bislang selbst darum kümmern, dass die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei der Krankenkasse ankommt. Nun soll das ein Mausklick aus der Arztpraxis erledigen.
Ein Arzt sitzt in seiner Praxis an einem Computer. © picture alliance / dpa/Symbolbild

Digital statt Papier auch beim Krankenschein: Ab 1. Juli müssen Arztpraxen die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für ihre Patienten elektronisch an die Krankenkassen senden. In Thüringen haben die Vorbereitungen auf die Umstellung nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung für Stress in den Praxen gesorgt. Es gebe seit Monaten Beschwerden von Praxen über Probleme bei der technischen Anbindung, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Technikertermine seien nicht zu bekommen oder verzögerten sich. Die schrittweise Einführung des digitalen Krankenscheins hatte im vergangenen Herbst begonnen.

Zunächst hätten die Praxen diese Möglichkeit nur sehr verhalten genutzt, hieß es von der Krankenkasse Barmer. Kurz vor dem Stichtag 1. Juli kam der Barmer-Landesgeschäftsführerin Birgit Dziuk zufolge mehr als die Hälfte der Arbeitsunfähigkeitsmeldungen digital bei der Kasse an. Die AOK Plus bezifferte den Anteil der elektronischen Meldungen in der dritten Juni-Woche in Thüringen auf 29 Prozent - etwa zehnmal so hoch wie in der Startphase.

Arztpraxen benötigen für die Umstellung eine technische Infrastruktur, die ihnen den sicheren digitalen Austausch medizinischer Dokumente erlaubt. Ärzte müssen auch über einen elektronischen Heilberufeausweis verfügen, um den E-Krankenschein signieren zu können. Laut KV stellen Praxen, die auch jetzt noch nicht gerüstet sind, bei Arbeitsunfähigkeit weiter einen Krankenschein auf Papier aus. In Thüringen arbeiten rund 3700 Ärzte in Praxen oder medizinischen Versorgungszentren.

Nach KV-Angaben klagen manche Praxen, die schon umgerüstet haben, über technische Probleme beim digitalen Versand. Zumindest die Barmer teilt diese Einschätzung nicht. Die technischen Abläufe zwischen Praxen und Kasse funktionierten inzwischen «einwandfrei», so Dziuk. Die Fehlerquote bei den von den Praxen gesendeten Datensätzen liege unter zwei Prozent.

Für Patienten sei der digitale Krankenschein ein Vorteil, ist etwa die Techniker Krankenkasse überzeugt. Bisher mussten Patienten den Schein an die Krankenkasse schicken, was nun nicht mehr nötig sei, sagte eine Sprecherin. Ab 2023 solle dann auch die digitale Krankmeldung an die Arbeitgeber durch die Praxen folgen.

© dpa
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