Experten rechnen mit steigender Arbeitslosenzahl

Wissenschaftler gehen von mehr als 2000 Erwerbslosen im kommenden Jahr in Thüringen aus. Mit einem Einbruch am Arbeitsmarkt rechnen sie dennoch nicht.
Das Logo der Agentur für Arbeit. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Die Arbeitslosigkeit wird nach Einschätzung von Experten in Thüringen im kommenden Jahr voraussichtlich stärker steigen als im bundesweiten Schnitt. Die Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnen 2023 im Freistaat im Mittelwert mit 59.200 Menschen ohne Job. Das sind rund 2200 Erwerbslose oder 3,9 Prozent mehr als im Jahresschnitt 2022, wie die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit am Montag in Halle mitteilte. Deutschlandweit prognostizieren die Experten einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 2,3 Prozent - für Ostdeutschland um 3 Prozent.

Einen Einbruch am Thüringer Arbeitsmarkt erwarten die Forscher dennoch nicht. Dafür sei der Bedarf an Arbeitskräften zu hoch, hieß es. «Bereits in vergangenen Krisen haben sich Wirtschaft und Arbeitsmarkt entkoppelt», erklärte IAB-Wissenschaftler Per Kropp. Bei neuen Jobs werde jedoch eine Stagnation erwartet. Vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen, von Krieg, den Energiepreisen sowie Material- und Lieferengpässen werde mit einer konjunkturellen Schwächephase gerechnet.

Im günstigsten Fall gehen die Wissenschaftler 2023 von 51.600 Arbeitslosen im Land aus. Das wären 9,5 Prozent weniger als 2022. Zugleich rechnet das IAB im Durchschnitt mit 805.800 sozialversicherungspflichtigen Jobs in Thüringen. Das wären nur 800 mehr als in diesem mit 805.000 Jobs und entspräche lediglich einem minimalen Wachstum von 0,1 Prozent. Für den Bundesschnitt und für Ostdeutschland gehen die IAB-Wissenschaftler von einem Job-Plus von jeweils 0,9 Prozent aus.

Infolge der Krisen gerieten die Unternehmen zunehmend unter Druck, sagte der Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Markus Behrens. Zugleich herrsche ein Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Den Arbeitsagenturen würden weniger Stellen gemeldet und es würden weniger Menschen neu eingestellt.

«Das verringert vor allem für Menschen, die lange arbeitslos sind, die Chancen, aus der Arbeitslosigkeit wieder herauszukommen», sagte Behrens. Ansonsten werde viel davon abhängen, wie die aktuellen Krisen abgefedert werden könnten. Anders als 2020 könne das Kurzarbeitergeld dabei nur eingeschränkt unterstützen. Bei den ukrainischen Flüchtlingen wird mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit gerechnet.

© dpa
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