Wohnungswirtschaft erwartet Probleme durch Heizkosten

26.04.2022 Die stark gestiegenen Energiekosten machen das Heizen teurer. Mieter könnten das spätestens im Sommer 2023 merken, wenn ihre Betriebskostenabrechnung kommt. Die Wohnungswirtschaft rechnet nicht damit, dass jeder sofort zahlen kann.

Eine Person dreht die Heizung auf. © Fabian Sommer/dpa/Symbolbild

Viele Thüringer Mieter werden nach Einschätzung der Wohnungswirtschaft im Freistaat die zu erwartenden Betriebskostennachzahlungen im kommenden Jahr nicht sofort leisten können. Zwar seien in den vergangenen Wochen zahlreiche Mieter den Bitten der Wohnungsunternehmen nachgekommen, ihre Heizkosten-Vorauszahlung freiwillig zu erhöhen, sagte der Direktor des Verbandes der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, Frank Emrich, am Dienstag. Etwa ein Viertel bis ein Drittel der angeschrieben Mieter hätten diese Anregung nicht angenommen.

Bei diesen Menschen müsse man davon ausgehen, dass sie oft nicht in der Lage seien, höhere Vorauszahlungen zu leisten. Er vermutete, dass diese Mieter auch die wahrscheinlich hohen Heizkostennachzahlungen im Sommer 2023 nicht auf einmal zahlen können. «Wir werden keinem die Wohnung kündigen wegen Betriebskostenrückständen im Sommer 2023», stellte Emrich klar.

In dem Verband haben sich etwa 180 Thüringer Wohnungsunternehmen mit insgesamt etwa 265 000 Wohnungen zusammengeschlossen. Etwa jeder zweite Mieter in Thüringen wohnt nach Verbandsangaben bei einem dieser Mitgliedsunternehmen.

In den vergangenen Wochen sind nicht zuletzt wegen des Ukraine-Krieges die Energiepreise stark gestiegen. Nach Emrichs Angaben hat sich der Preis für Fernwärme teilweise vervierfacht.

Emrich sagte, die Wohnungsunternehmen würden mit jenen Mietern über Ratenzahlungen sprechen, die im kommenden Jahr ihre Nachzahlungen nicht auf einmal leisten könnten. Zudem werde man diese Menschen auf die Angebote der Schuldnerberatung hinweisen, ebenso auf die Möglichkeit, Wohngeld zu beantragen.

Die Wohnungsunternehmen reichten nur die Preise weiter, die sie selbst den Versorgern zahlen müssten, betonte Emrich. «Wir sind die Inkassounternehmen der Fernwärmeversorger.» Zwar werde man das Geld «im Bewusstsein um unsere soziale Verantwortung» einfordern. Doch gezahlt werden müssten diese Forderungen in jedem Fall.

Letztlich müsse sich vor diesem Hintergrund auch der Staat darauf einstellen, im kommenden Jahr viel mehr Geld für Heizung und Warmwasser ausgeben zu müssen. Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen seien, hätten einen Anspruch darauf, dass die Kommunen ihre Heizkosten übernähmen - auch die Nachzahlungen. Emrich mahnte deshalb, die Kommunen sollten beim Aufstellen ihrer Haushalte für die entsprechenden Positionen mindestens doppelt so viel Geld einplanen wie zuletzt.

© dpa

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