Sachsen und Sachsen-Anhalt kriegen «Großforschungsinstitute»

In der Energiekrise wird zwar wieder auf Kohlekraft gesetzt, beim Kohleausstieg soll es aber grundsätzlich bleiben. Dafür bekommen die betroffenen Regionen einen Ausgleich mit zwei milliardenteuren Forschungsinstituten.
Sebastian Gemkow (CDU), Wissenschaftsminister von Sachsen, spricht im Landtag zu den Abgeordneten. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv

Wirtschaft und Wissenschaft in Sachsen und Sachsen-Anhalt sollen in den kommenden Jahren mit zwei milliardenschweren großen Forschungsinstituten angekurbelt werden. In der sächsischen Lausitz soll ein «Deutsches Forschungszentrum für Astrophysik (DZA)» entstehen und im mitteldeutschen Braunkohlerevier ein «Center for the Transformation of Chemistry (CTC)». Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) und die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer und Reiner Haseloff (beide CDU), gaben die Pläne am Donnerstag in Berlin bekannt.

Die Rede ist von «Großforschungsinstituten», die mit jeweils 1,1 Milliarden Euro alleine vom Bund bis 2038 gefördert werden. Dazu kommen Gelder der Länder. Beide Zentren würden in der sächsischen Lausitz und im mitteldeutschen Revier ein unverwechselbares wissenschaftliches Profil entstehen lassen, sagte Stark-Watzinger. «Aber sie werden auch für die Region so wichtige Arbeitsplätze schaffen», fügte sie hinzu.

Die Projekte sind Teil eines Förderprogramms, um den beschlossenen Ausstieg aus der Stromgewinnung durch Kohleverbrennung bis 2038 abzufedern. Zur Stärkung der Wirtschaft und Schaffung von Arbeitsplätzen in den betroffenen Regionen hatten Bund und Länder milliardenschwere Hilfsmaßnahmen vereinbart.

Die beiden Forschungszentren setzten sich in einem Ideenwettbewerb in der Schlussrunde gegen vier weitere Konzepte durch. Beim DZA sollen unter anderem Datenströme verschiedener astronomischer Observatorien weltweit zusammenlaufen und neue Halbleiter-Sensoren und Silizium-Optiken für Observatorien entwickelt werden. Ziel des CTC soll es sein, eine Kreislaufwirtschaft und «nachhaltige» Chemie zu ermöglichen, die auf nachwachsenden Rohstoffen oder recycelten Materialien aufbaut.

Als Standorte für die verschiedenen Bereiche des DZA wurden Görlitz und die Umgebung von Bautzen genannt. Der Hauptstandort des CTC soll mit Delitzsch ebenfalls in Sachsen liegen. Die Stadt liegt nahe der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Dessen Ministerpräsident Haseloff betonte, dass die eigentlichen CTC-Projekte an den Chemie-Standorten in Sachsen-Anhalt stattfänden. «Das müssen wir ganzheitlich denken.» Man könne das mitteldeutsche Revier nicht «mit einer Landesgrenze filetieren». «Im übrigen hat Delitzsch bis 1952 zu Sachsen-Anhalt gehört.»

Kretschmer sprach von einem «Game-Changer». «Hier entsteht etwas ganz Neues». Das geplante Forschungszentrum für Astrophysik in der Lausitz bezeichnete er als internationalen Leuchtturm der Wissenschaft. Man wolle ganz bewusst Zuwanderung von exzellenten Leuten in diese Regionen. 1000 bis 1500 Menschen würden in einem solchen Zentrum arbeiten «und natürlich ist das unmittelbar Kaufkraft», aber der eigentliche Effekt seien der Wissenstransfer in die Wirtschaft und die Ausgründungen.

Für die beiden Forschungszentren beginnt nun nach Angaben des Bundesbildungsministeriums eine etwa dreijährige Aufbauphase. Uwe Cantner, Vorsitzender der «Expertenkommission Forschung und Innovation», die die Bundesregierung wissenschaftlich berät, rechnet nach eigenen Angaben nicht damit, dass es rund um die Institute schnell «zu blühen» beginnt. In drei, vier Jahren sei das nicht geschehen, sagte er am Donnerstag. «Die Geduld muss man aufbringen».

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
Fußball-WM: Bundestrainer Flick hofft in Katar auf Initialzündung
People news
Auktionen: Torten und Briefe - Was von den Royals unter den Hammer kam
Internet news & surftipps
Telekommunikation: Funklöcher: Wissing erhöht Druck auf Netzbetreiber
People news
Leute: UK-Popstar Dua Lipa bekommt albanische Staatsbürgerschaft
People news
Britische Royals : Queen Camilla will ohne Hofdamen auskommen
Auto news
Führerscheinprüfung in Fremdsprachen : Hocharabisch am stärksten gefragt
Das beste netz deutschlands
Featured: #YoungMakesGreen: So hilft Vodafone Schüler:innen digitale Lösungen gegen den Klimawandel zu entwickeln
Das beste netz deutschlands
Featured: Vodafone Black Week: Jetzt die besten iPhone-Deals sichern
Empfehlungen der Redaktion
Regional sachsen
Wissenschaft: Zwei Großforschungszentren für Sachsen: Freude und Erwartung
Regional sachsen anhalt
Großforschungsprojekt: Land hofft auf erfolgreichen Umbau der Chemiebranche
Regional sachsen
Strukturwandel: Junge Leute übergeben Ideen an Sachsens Regierung
Regional sachsen
Wissenschaft: Großforschungszentren sollen ab 2026 errichtet werden
Regional sachsen anhalt
Wirtschaftspolitik: Sachsen-Anhalt: Grünen-Chefs fordern früheren Kohleausstieg
Inland
Lausitz: «Gipfel» der Ost-Kohleländer - Mehr Tempo für Öko-Energie
Regional thüringen
Vernetzung: Regionaler Internetknoten im Mitteldeutschen Raum in Betrieb
Regional sachsen anhalt
Energie: Haseloff fordert mehr Tempo vom Bund beim Strukturwandel