Milchtankstellen hatten nur kurzen Erfolg in Sachsen-Anhalt

Milchtankstellen waren einst der Renner. Aber die Nachfrage ebbte schnell ab und es rechnet sich aus Sicht der Landwirte nicht mehr. Heute werden die Automaten meist nur noch zur Imagepflege und zur Kundenbindung betrieben.
Eine Frau füllt in der Milchtankstelle aus einem Automaten frische Milch in ihre Flasche. © Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Eigentlich eine gute Idee: Frische Milch aus dem Automaten. Vor sechs Jahren hatte das neue Verkaufskonzept seine beste Zeit. Damals erhielten Milchproduzenten nur 20 Cent pro Liter, das war für das Überleben der Höfe zu wenig. Die Landwirte versuchten, neue Wege zu gehen. «Viele Bauern investierten in die Direktvermarktung, weil sie dachten, der Kunde will direkt vom Bauern kaufen und die Milch war auch nicht wesentlich teurer als im Laden», sagte der Sprecher des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, Erik Hecht.

Schnell habe es in Sachsen-Anhalt rund 14 Milchtankstellen gegeben und zunächst habe das Geschäft gebrummt. «Am Anfang lief es mit 150 Liter bis 200 Litern pro Tag und Automat ganz gut, weil es neu und interessant war», sagte Hecht. «Aber so nach zwei, drei Monaten blieben immer mehr Kunden weg, wahrscheinlich weil sie wieder zur abgepackten Ware griffen.» Heute gibt es nur wenige Bauern, die noch Milchautomaten betreiben. Sie verdienen damit nichts mehr, die Gründe für den Weiterbetrieb sind Imagepflege und Kundenbindung.

«Es ist eben ein Unterschied zwischen Nachfrage und tatsächlichem Kaufverhalten», sagte Hecht. «Die Kunden blieben weg, aber die Unterhaltskosten und auch der Aufwand, das Ganze hygienisch zu halten, blieben hoch.» Auch waren viele Landwirte mit ihren Milchtankstellen in Supermärkten vertreten, aber die Pacht lohnte sich bei der geringen Kundenzahl nicht mehr.

«Wir hatten drei Milchtankstellen in Supermärkten und eine an unserem Stall, mittlerweile ist nur noch die am Stall übrig geblieben und zwei kleine Milchautomaten in Hofläden», sagte der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Prießnitz GmbH, Patrick Zier. «Am Anfang hat das auch Spaß gemacht. Der Rückgang ist hauptsächlich der Bequemlichkeit der Kunden geschuldet. Flaschen auswaschen war vielen zu nervig.» Die Nachfrage habe sich jetzt auf einem geringen Niveau stabilisiert.

«Die Milchtankstelle am Stall macht stabil 700 Liter im Monat. Am Stall sind wir bei einem Euro pro Liter geblieben. Eigentlich ist es nicht mehr wirtschaftlich, wir machen das nur aus Kundenpflege und weil wir im Sommer mit Eisdielen zusammenarbeiten, die von uns die Milch nehmen. Wir liefern insgesamt etwa 8000 Liter Milch pro Tag. Da sieht man schon das Verhältnis», erklärte Zier.

«Das ist die Bequemlichkeit des Kunden. Das läuft so gut wie gar nicht mehr, weil der Kunde nicht bereit ist, das Geld zu bezahlen und der Aufwand viel zu hoch ist», sagte der Geschäftsführer der Agrargesellschaft Riestedt mbH & Co. KG, Torsten Wagner. «Bei uns ist es nur ein Imageprojekt. Auf den Geschmack achtet der Deutsche eben nicht so sehr. In anderen Ländern funktioniert das ja seit Jahrzehnten recht gut.»

An der Milchtankstelle am Stall des Milchgutes Riestedt lag am Anfang der Absatz bei 90 bis 100 Liter am Tag. Jetzt sind es 30 bis 35 Liter. «Das ist eindeutig zu wenig. Wir machen es nach wie vor, weil wir Stammkunden haben», sagte Wagner. «Ab dem 1.1.2023 müssen die Milchtankstellen geeicht sein, wenn das natürlich einen höheren Geldbetrag fordert, dann ist das für uns das Aus.»

© dpa
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