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Umweltministerin Lemke: Zeit ist Gefahr für Endlagersuche

Ein Endlager für Atommüll in Deutschland muss möglichst schnell gefunden werden. Experten befürchten jedoch ein Generationenprojekt. Wie kann das Verfahren effizienter werden?
Steffi Lemke
Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen) spricht im Plenarsaal des Bundestags zu den Abgeordneten. © Melissa Erichsen/dpa

Auf der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfällen muss Bundesumweltministerin Steffi Lemke zufolge auch der Zeitfaktor im Auge behalten werden. «Wir dürfen die langen - zu langen - Zeiträume, bis die hochgefährlichen Abfälle so sicher wie möglich verwahrt sind, nicht einfach hinnehmen. Denn letztlich ist der Zeitfaktor auch ein Sicherheitsfaktor», sagte die Grünen-Politikerin am Freitag bei der Eröffnung des Zweiten Forums Endlagersuche in Halle. Mit fortschreitender Zeit sei es auch immer schwerer, eine belastbare Entscheidung zu treffen und diese mit Unterstützung der Bevölkerung umzusetzen.

Das Forum versteht sich als der zentrale Diskussionsort über die Standortauswahl für das Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland. Es wird vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung und der Bundesgesellschaft für Endlagerung veranstaltet.

Nur ein Tiefenlager biete künftigen Generationen die unter allen denkbaren Umständen bestmögliche Sicherheit, sagte Lemke. Wer dies bestreitet, werde der Verantwortung jüngerer und künftiger Generationen gegenüber nicht gerecht. Da es auch schwieriger werde, ein Endlager zu finden, wenn die Menge an Atommüll wächst, sei es richtig gewesen, in Deutschland am Atomausstieg festzuhalten.

In Debatten kursiere derzeit das Versprechen, dass die «gegenwärtig wohl gefährlichste Hinterlassenschaft der menschlichen Zivilisation» auch ohne geologische Tieflager unschädlich gemacht oder energetisch genutzt werden könne, sagte Lemke. «Diese Vorstellung ist so offensichtlich falsch wie irreführend. Man sollte ihr offensiv entgegentreten.»

Der Präsident des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), Wolfram König, forderte ein «Sich-ehrlich-machen» aller Beteiligten. Die sich deutlich verlängernde Zeit für eine Standortfestlegung habe zahlreiche Folgewirkungen, sagte König. Unter anderem nannte er die wachsende finanzielle Belastung des Entsorgungsfonds Kenfo, sinkendes Interesse am Thema und Engagement in Politik und Öffentlichkeit sowie Sicherheitsaspekte - etwa bei der Dauer der Genehmigung für die Aufbewahrung von hochradioaktiven Abfällen in Zwischenlagern.

Ende 2027 will die Bundesgesellschaft Regionen vorschlagen, in denen erkundet werden soll, ob sie sich als Standort für ein Endlager eignen. «Für ein Endlager jedoch brauchen wir eine ereignisarme Geologie ohne besondere Bodenschätze», sagte Lemke. Durch die Identifikation potenzieller Standorte könnten 54 Prozent des Bundesgebietes ausgeschlossen werden. Dafür brauche es jedoch auch einen ehrlichen Umgang mit Wissenslücken: «Wir können nicht halb Deutschland erkunden», sagte Lemke. Andernfalls sei auch die Zustimmung für das Verfahren in Gefahr.

Allein die Bestimmung des Standorts für das Endlager könnte ein Generationenprojekt werden, erklärte die Bundesgesellschaft für Endlagerung vor der Veranstaltung. Auch in Arbeitsgruppen soll unter anderem über die Frage diskutiert werden, was dies für die Zwischenlagerung bedeute. Zudem solle nach Möglichkeiten gesucht werden, das Verfahren zur Suche nach einem Standort effizienter zu machen.

© dpa
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