Schutzstatus für Wölfe erneut im Fokus

Die Forderungen nach der Lockerung des Schutzstatus für Wölfe erhalten neue Nahrung. Landwirtschaftsminister Sven Schulze begrüßt Überlegungen in Brüssel und fordert auch Aktivität in Sachsen-Anhalt.
Ein Wolf läuft. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Sachsen-Anhalts Agrarminister Sven Schulze (CDU) begrüßt Überlegungen, den Schutzstatus des Wolfs auf EU-Ebene zu prüfen. Er wolle in den kommenden Tagen in Brüssel weitere Gespräche dazu führen, teilte Schulze am Mittwoch mit. Er ist aktuell Vorsitzender der Agrarministerkonferenz. Die Zahl der Wolfsrudel steige. «Damit wird es für uns immer dringlicher, in den Herdenschutz zu investieren. Die Kosten hierfür steigen stetig», so Schulze. «Für Weidetierhalter sind sie teils existenzbedrohend. Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt die Tierhalter mit all seinen Möglichkeiten - dauerhaft wird das kaum noch zu stemmen sein.»

In Brüssel und Straßburg machen sich derzeit vor allem konservative Politiker dafür stark, dass Wölfe weniger streng geschützt werden sollen. In einer rechtlich nicht verbindlichen Resolution forderte das EU-Parlament vergangene Woche die Europäische Kommission auf, den Schutzstatus von Wölfen und Bären abzuschwächen. Hintergrund sind Klagen von Landwirten, dass die Raubtiere Nutztiere wie Schafe reißen.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen soll angekündigt haben, dieser Bitte nachzukommen, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten. «Ich habe die Dienststellen der Kommission angewiesen, eine eingehende Analyse der Daten durchzuführen», schrieb sie dem Bericht zufolge in einem Brief an Abgeordnete der Union. Ob die Analyse aber tatsächlich ergibt, dass der Schutzstatus gelockert werden soll, ist offen.

Wölfe stehen in Deutschland als streng geschützte Art unter Naturschutz. Ein Abschuss ist verboten, es sei denn, die eigentlich Menschen gegenüber scheuen Wölfe verhalten sich bei der Begegnung aggressiv. Dann erlaubt das Bundesnaturschutzgesetz einen Abschuss.

In Sachsen-Anhalt wie auch deutschlandweit nimmt die Zahl der Wölfe zu. Im Wolfsjahr 2020/21 waren 22 Rudel und 3 Wolfspaare nachgewiesen worden. In der Summe rechnen Experten mit etwa 150 Tieren im Land.

Der Landwirtschaftsminister will, dass sich das Landesparlament noch einmal eingehend mit dem Thema befasst. «Es ist jetzt wichtig, dass sich die zuständigen Ausschüsse im Landtag von Sachsen-Anhalt erneut mit dem Thema befassen und das Thema unter den aktuellen Entwicklungen neu priorisieren.»

Den Herdenschutz hat das Land Sachsen-Anhalt laut Agrarministerium im vergangenen Jahr mit rund 2,65 Millionen Euro gefördert. Personalkosten seien noch nicht berücksichtigt.

© dpa
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