Metall-Tarifrunde in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt

Anfang übernächster Woche beginnen die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektrobranche. Los geht es diesmal in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die Bedingungen sind schwierig, die Erwartungen hoch.
Das Logo der IG Metall ist an einer Wand zu sehen. © Daniel Karmann/dpa/Symbolbild

Die Tarifgespräche für die bundesweit fast vier Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie starten am 12. September in Hannover. Wie die IG Metall am Freitag ankündigte, sollen die ersten regionalen Verhandlungen damit im Bezirk Niedersachsen/Sachsen-Anhalt geführt werden. Die Diskussionen über die Lohnforderungen und weitere Themen in der deutschen Kernbranche dürften angesichts der hohen Verbraucherpreis-Inflation und gleichzeitig starker Kostenbelastung vieler Unternehmen schwierig werden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer lagen in ihren Einschätzungen zu einem angemessenen Entgelt-Plus zuletzt deutlich auseinander.

Die Gewerkschaft verlangt acht Prozent mehr Geld über eine Laufzeit von einem Jahr - und zwar als Erhöhung, die dauerhaft in die Tariftabellen einfließt. Es ist die höchste Forderung seit 2008. Aber nur so könnten erhebliche Einbußen der realen Einkommen inmitten der anhaltenden Teuerung bei Energie, Sprit und Nahrungsmitteln vermieden werden, argumentiert die IG Metall. Außerdem stütze dies Kaufkraft, Konsum und Gesamtkonjunktur. Etliche Firmen verdienten nach wie vor auch gut, und schon in der Corona-Zeit habe man Zurückhaltung geübt.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall bewertet die Situation anders. Er warf der Gewerkschaft bereits Mitte Juli vor, für die Wirklichkeit der Branche blind zu sein. Es sei verantwortungslos, sich nur an vergleichsweise wenigen Betrieben zu orientieren, denen es derzeit noch gut gehe. Verbandschef Stefan Wolf verwies überdies darauf, dass die Produktion um 12 Prozent unter dem Niveau von 2018 liege, die Beschäftigten aber seitdem über 9 Prozent mehr Geld erhalten hätten.

Die IG Metall richtet sich auf einen «spannungsgeladenen Monat» ein. Ihr Verhandlungsführer Thorsten Gröger meinte: «Eine Nullrunde zu fordern, ist unanständig und indiskutabel. Neben der Politik sind insbesondere die Arbeitgeber gefordert, für finanzielle Entlastung zu sorgen.» Aus Gewerkschaftssicht muss aber auch der Staat die Bürger mehr unterstützen - etwa durch einen Preisdeckel für Gas und Strom.

Die regionalen Entgelt-Tarifverträge der Branche laufen bundesweit zum 30. September aus. Warnstreiks sind nach dem 28. Oktober möglich. In aller Regel wird im Laufe der Verhandlungen ein Pilotbezirk vereinbart, dessen Abschluss dann die übrigen Regionen übernehmen.

© dpa
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