Ringheiligtum Pömmelte: Gräberstraße und Grubenofen entdeckt

Mit überraschenden Funden enden nun nach fünf Jahren vorerst die Grabungen am Ringheiligtum Pömmelte. Auf insgesamt 133.600 Quadratmetern wurde unter anderem die größte frühbronzezeitliche Siedlung Mitteleuropas freigelegt. Wie geht es nun weiter?
Ein Bagger entfernt die obere Erdschicht am Ringheiligtum Pömmelte. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Archäologen haben am Ringheiligtum Pömmelte (Salzlandkreis) überraschend eine über 4000 Jahre alte «Gräberstraße» entdeckt. «Über fast 30 Meter reihen sich wie an einer Perlschnur mindestens 15 Körpergräber der frühen Aunjetitzer Kultur», sagte Projektleiterin Franziska Knoll vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie am Mittwoch. Die Archäologen gehen davon aus, dass sich die Bestattungen an einem Weg, der aus der Siedlung führte, orientierten. «Damit hätten wir tatsächlich auch im Osten wohl das Ende der Mega-Siedlung erreicht», sagte die Projektleiterin.

Auf den Flächen um die Ringheiligtümer Pömmelte und Schönebeck wird seit 2018 gegraben. «Mit weit über 100 Langhausgrundrissen auf einer Fläche von rund 15 Fußballfeldern haben wir hier die größte frühbronzezeitliche Siedlung in Mitteleuropa freigelegt», sagte Landesarchäologe Harald Meller. «Das war zu Beginn der Arbeiten nicht ansatzweise abzusehen.»

Für eine weitere Überraschung sorgte ein etwa 4500 Jahre altes Produktionsareal. Bereits bevor die Glockenbecher-Leute vor rund 4350 Jahren das Ringheiligtum errichteten, wurde der Standort von den Hunderte Jahre älteren Schnurkeramikern offenkundig nicht nur mit einem viereckigen Vorgängermonument und imposanten Grabhügeln belegt, sondern auch dazu genutzt, Lebensmittel zu lagern und zu verarbeiten.

«Der Grubenofen mit Doppelkammer könnte als Darre verwendet worden sein», sagte Knoll. Getrocknet werden konnte hier beispielsweise vorgekeimtes Getreide. So wird aus Gerste noch heute Malz hergestellt. «Bier war zumindest in diesen Breiten noch nicht geläufig, aber Malz ist süß und dürfte auch den Menschen am Ende der Steinzeit geschmeckt haben. Zucker war ja noch lange nicht in Europa angekommen», sagte die Archäologin.

Der Ofen befindet sich inmitten eines Feldes von etwa 20 fundleeren Gruben mit Durchmessern und Tiefen von bis zu 1,50 Meter. «Hier wurde offenbar das Getreide gelagert oder gewässert, um es anschließend keimen zu lassen», sagte Knoll.

In den fünf Jahren Grabungstätigkeit kamen Zehntausende Funde zum Vorschein - hauptsächlich Scherben, Knochen, Steine und Holzkohle. «Besonders die unscheinbaren Holzkohlereste sind wichtig, nicht nur, um die Landschaft zu rekonstruieren, sondern eben auch um herauszufinden, was die Menschen damals gegessen haben und womit sie ihre Häuser bauten», sagte Knoll.

Die Nutzung als «Kultplatz» begann mit der Schnurkeramischen Kultur vor gut 4800 Jahren und endete vor 3900 Jahren mit der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur, deren bedeutendster Fund die Himmelsscheibe von Nebra ist. Der Ort wurde wahrscheinlich aufgegeben, weil sich das Aunjetitzer Machtzentrum nach Süden verlagert hatte, wovon die reichen Fürstengräber zeugen.

Mit dem Abschluss der Grabungen wurde der Grundstein für die nun folgende weitere wissenschaftliche Auswertung gelegt. «Die spektakulären Befunde der letzten Jahre bieten ein reiches Potenzial für die weitere touristische Erschließung von Pömmelte bis Schönebeck», sagte Landtagspräsident Gunnar Schellenberger.

© dpa
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