Hospize wünschen sich mehr Ehrenamtliche und mehr Vielfalt

Menschen am Lebensende zu begleiten ist eine Herausforderung. Mehr als 900 Menschen im Land haben sich als Ehrenamtliche dafür ausbilden lassen und engagieren sich. Die Entwicklung soll weitergehen.
Hände liegen auf der Bettdecke einer Bewohnerin in einem Hospiz. © Peter Förster/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Die Vorsitzende des Hospiz- und Palliativverbands Sachsen-Anhalt, Sindy Herrmann, wünscht sich mehr Diversität in der Hospizarbeit. «Besonders junges Ehrenamt brauchen wir», sagte Herrmann, die das Katharina von Bora Hospiz in Wittenberg leitet, der Deutschen Presse-Agentur. Dabei gehe es nicht nur um die direkte Begleitung Schwerkranker und Sterbender. Im Wittenberger Hospiz etwa habe eine 13-Jährige regelmäßig Musiknachmittage angeboten.

Nötig seien ebenso Technikaffine, die Internetseiten betreuen und Infostände aufbauen könnten. Und auch mehr Menschen mit Migrationshintergrund sowie mehr Männer wünsche sie sich. Die Vielfalt sei wichtig für die Idee einer sorgenden Gemeinschaft und um passende Ehrenamtliche und Begleitete zusammenbringen zu können. Bislang seien viele Ehrenamtliche am Rand der eigenen Berufstätigkeit.

Im vergangenen Jahr sind laut Herrmann 922 ausgebildete Ehrenamtliche in der stationären und ambulanten Hospizarbeit in Sachsen-Anhalt tätig gewesen. Sie sei stolz auf die «engagierten Mitbeweger», die vorbehaltlos und ohne Auftrag ihre Zeit zur Verfügung stellten. Diese Alltagsnormalität sei die Basis für die Hospizarbeit.

«Wir haben gehofft, dass wir 2022 den 1000. Ehrenamtlichen begrüßen dürfen. So sieht es im Moment noch nicht aus», sagte die Verbandschefin weiter. Während der Corona-Pandemie seien die Zahlen schwächer gestiegen. Kurse für Ehrenamtliche habe es trotz Ausfällen aber weiter gegeben. Die Nachfrage nach den sogenannten Letzte-Hilfe-Kursen sei da. Hospize seien aber auch weiter auf Spenden angewiesen. In den ambulanten Hospizdiensten sei vieles nicht finanziert, Trauerarbeit sei ein Beispiel, sagte Herrmann.

Begleitet wurden im vergangenen Jahr in den sieben stationären Hospizen im Land 822 Sterbende, wie Herrmann weiter sagte. Damit sei die Zahl im Vergleich zum Vorjahr konstant. Zu Hause wurden 949 Menschen begleitet und damit mehr als im Jahr 2020, als es 880 waren. Viele Menschen hätten die Sorge gehabt, dass sie keinen Besuch im Pflegeheim, Krankenhaus oder auch im Hospiz empfangen dürfen. Für die Hospize könne man den Menschen die Sorge nehmen. «Ein Besuch bei sterbenden und Palliativpatienten ist immer möglich», sagte Herrmann.

Den Hospiz- und Palliativverband Sachsen-Anhalt gibt es seit 20 Jahren. Aus einer Pionierphase habe man sich inzwischen herausentwickelt in eine Phase der Institutionalisierung. Menschen zu begleiten am Lebensende sei ambulant und stationär möglich, spezialisierte ambulante Palliativ-Care-Teams böten Unterstützung, die Kinderhospizarbeit habe deutlich an Fahrt gewonnen, sagte Herrmann. Es müsse künftig aber auch stärker an andere Orte von Sterben, Tod und Trauer geschaut werden wie Einrichtungen der Eingliederungs- und Behindertenhilfe, in Pflegeheime und Krankenhäuser.

Der Verband hat sich vorgenommen, die Akteure der Palliativ- und Hospizarbeit transparent zu machen. Dazu gehörten Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser ebenso wie niedergelassene Mediziner mit Zusatzausbildung sowie Pflegedienste mit geschulten Personen, wie Herrmann sagte. Ziel sei eine digitale Landkarte, auf der die Betroffenen zielgerichtet Versorgungsangebote finden.

© dpa
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