Psychosoziales Zentrum betreut mehr als 400 Geflüchtete

Die Praxen sind voll, die Sprache ist eine zusätzliche Hürde und die Finanzierung der Behandlung ist auch kompliziert. Psychisch erkrankte Geflüchtete haben es schwer im Regelsystem. Ein Projekt versucht sie aufzufangen.
Eine Mitarbeiterin des Psychosozialen Zentrums hält ein Papierschiff in den Händen. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/Symbolbild

Sie sind aus ihrer Heimat geflüchtet, traumatisiert oder anderweitig psychisch und körperlich erkrankt: Das Psychosoziale Zentrum für Migrantinnen und Migranten in Sachsen-Anhalt hat im vergangenen Jahr in Halle und Magdeburg insgesamt 405 Menschen aus 37 Ländern psychosozial begleitet. Ein Viertel der Menschen sei aus Afghanistan geflüchtet, erklärte Projektleiterin Magdalene Schlenker. Weitere Hauptregionen seien Syrien, Iran, westafrikanische Staaten, Irak, Russland und Tschetschenien gewesen. In diesem Jahr kämen bislang ein Sechstel der Klientinnen und Klienten aus der Ukraine.

Der Bedarf an Behandlungen sei bei den Menschen mit Gewalterfahrungen in der Pandemiezeit weiter gestiegen, wie es auch unter der deutschsprachigen Bevölkerung der Fall gewesen sei, sagte Schlenker. Als die Menschen aus der Ukraine hinzugekommen seien, habe sich die Versorgungssituation erneut verschlechtert.

Die Projektleiterin des Psychosozialen Zentrums für Migrantinnen und Migranten in Sachsen-Anhalt wies auf strukturelle Probleme hin. Die Kostenübernahme für die Behandlung und die Sprachmittlung sei nach wie vor unsicher und zu aufwendig geregelt. Für die ohnehin vollen Praxen sei es meist nicht möglich, Geflüchtete aufzunehmen. «Selbst in akuten Notfällen sind viele Kliniken noch immer nicht mit der auch dabei dringend notwendigen Sprachmittlung ausgestattet.»

Gelinge trotzdem eine Aufnahme, seien Nachbehandlung und die nötigen Medikamente ein häufiges Problem. Viele psychiatrische Praxen in Sachsen-Anhalt seien noch nicht für die Behandlung geflüchteter Menschen offen. Selbst für anerkannte Geflüchtete oder solche mit einer Aufenthaltserlaubnis übernähmen die Krankenkassen die Sprachmittlungskosten nicht. «Dies erschwert den Zugang ins Gesundheitssystem sehr.» Hinzu komme, dass ein Behandlungsgespräch mit Übersetzung viel länger dauere.

Das Psychosoziale Zentrum (PSZ) ist seit 16 Jahren die einzige spezialisierte Institution in Sachsen-Anhalt. Finanziert wird sie durch verschiedene Projektförderungen der EU, des Landes, aber unter anderem auch der Diakonie Deutschland, der Uno-Flüchtlingshilfe, Amnesty International und der Stiftung Kinderförderung von Playmobil und Terres des Hommes. Sie sorgten dafür, dass für die psychologische Beratung und Psychotherapie im vergangenen Jahr 8,3 Planstellen zur Verfügung standen und für die angegliederte Sozialberatung und -begleitung 3,7 Stellen. In Halle und Magdeburg sind laut Schlenker zusätzlich etwa 30 Sprachmittler im Einsatz.

«Die Landesregierung hat die Absicherung des PSZ bereits im Koalitionsvertrag und auch im Landesintegrationskonzept verankert», sagte Schlenker weiter. «Wir wünschen uns hierfür eine mehrjährige und projektunabhängige, sogenannte institutionelle Förderung.» Sprachmittlungskosten sollten bei psychischen Erkrankungen regulär übernommen werden. Und: «Um den für alle zu langen Wartezeiten in psychotherapeutischen und psychiatrischen Praxen begegnen zu können, wären mehr Kassensitze sinnvoll. Auch psychische Erkrankungen werden bei Nichtbehandlung schlimmer», betonte die Projektleiterin.

© dpa
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