Prozess um Messerangriff in Eisleben gestartet

Im beschaulichen Eisleben soll ein Mann seine Ehefrau mit einem Messer fast getötet haben. Die Staatsanwaltschaft geht von Eifersucht als möglichem Tatmotiv aus.
Der Angeklagte sitzt im Landgericht mit seiner Übersetzerin und seinem Anwalt auf der Anklagebank. © Sebastian Willnow/dpa

Im Prozess um einen versuchten Mord in der Eislebener Innenstadt hat der Angeklagte tiefes Bedauern über seine Tat geäußert. Er wünschte, die Zeit zurückdrehen zu können, sagte der Angeklagte zu Prozessbeginn am Montag im Landgericht Halle. Der 42-Jährige soll laut Anklage im Juni seine von ihm getrennt lebende Ehefrau mit einem Messer angegriffen haben. Die 31-Jährige wurde dabei schwer verletzt an der Leber, der Lunge und am Hals. Nur durch eine Notoperation überlebte sie.

Der Tat ging laut dem Angeklagten ein Streit um die Kinder voraus. Er habe über einen längeren Zeitraum versucht, den Kontakt zu seinen drei Kindern zu beleben, sagte der 42-Jährige vor der Kammer. Das habe ihm seine Frau verwehrt. Seine Frau sprach von ständigen Auseinandersetzungen mit ihrem Mann, vor denen sie ihre Kinder habe schützen wollen. Er habe sie kontrolliert, ihr mit dem Tod gedroht und sie verdächtigt, mit anderen Männern zu schlafen. Die Staatsanwaltschaft geht von Eifersucht als möglichem Motiv aus.

Das Paar aus Afghanistan hatte 2008 in Pakistan geheiratet und nach einer mehrjährigen Zwischenstation im Iran beschlossen, nach Deutschland auszuwandern. Nach und nach gelangte die fünfköpfige Familie mit der Hilfe von Schleusern in die Bundesrepublik. Als erste flüchtete nach Angaben des Angeklagten die Frau, dann wurde der jüngste Sohn nach Deutschland geschleust, Jahre später gelangte der Angeklagte mit den beiden weiteren Kindern nach Deutschland.

In Deutschland habe sich seine Frau von ihm distanziert, sagte der 42-Jährige. Außerdem habe sie ihm den Kontakt zu den Kindern erschwert. Dieses Problem habe sich über Monate hingezogen. Der Frust und die Enttäuschung darüber hätten sich in der Tat entladen. «Auf einmal wurde es dunkel», beschrieb der Mann den Moment kurz vorher. An den Tatverlauf könne er sich nicht mehr erinnern.

Die Frau sagte, dass sie während des gemeinsamen Zusammenlebens im Iran ständig unter der Kontrolle ihres Mannes gestanden habe. Diese Kontrolle drohte ihm in Deutschland zu entgleiten, vermutete sie. Das habe er mit Drohgebärden und Vorwürfen zu verhindern versucht, sagte die Frau vor Gericht. Die Streitigkeiten seien während des Aufenthalts in Deutschland immer schlimmer geworden, ihr Mann sei mehrfach handgreiflich geworden.

Die Tat geschah laut dem Angeklagten im Affekt. Er habe seine Frau am Tattag erneut auf die Kinder angesprochen, daraufhin habe sie ihn auf offener Straße angeschrien. Kurz darauf sei er mit dem Messer auf sie losgegangen. Im Falle einer Verurteilung wegen versuchten Mordes droht dem Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe. Für den Prozess sind zwei weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte laut Kammer Mitte September gesprochen werden.

© dpa
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