Vieldiskutierter Altar verlässt den Naumburger Dom

Der Naumburger Dom hatte erst 2018 den Welterbetitel erhalten. In diesem Jahr sorgt ein epochenübergreifendes Kunstprojekt darin für lebhafte Diskussionen. Dieser Altar geht nun auf Reisen - aber wie geht es weiter?
Der Marienaltar im Westchor des Doms in Naumburg. © Hendrik Schmidt/dpa/Archivbild

Das Kunstwerk wurde fast 500 Jahre nach seiner teilweisen Zerstörung komplettiert und sorgte für lebhafte Debatten - auch über den Unesco-Welterbetitel des Naumburger Doms: Nun verlässt der Cranach-Triegel-Altar die Kathedrale. An diesem Sonntag kann das Publikum einen vorerst letzten Blick auf das Kunstwerk werfen, bevor es in Kürze im Diözesanmuseum in Paderborn in Nordrhein-Westfalen gezeigt wird. Seit Juli sahen einer Sprecherin zufolge rund 73.000 Menschen den Altar in Naumburg. Weitere Stationen seien geplant. Voraussichtlich Ende 2024 oder im ersten Halbjahr 2025 wird er demnach zurückerwartet.

Der Leipziger Maler Michael Triegel hatte den zwischen 1517 und 1519 von Lukas Cranach dem Älteren geschaffenen und später teils zerstörten Altaraufsatz vervollständigt. Im Juli war er geweiht worden. Umstritten ist der Standort des Altaraufsatzes - im Westchor des Doms zwischen den berühmten Stifterfiguren wie Uta von Naumburg. Die Vereinigten Domstifter sehen den Altar zurückgekehrt an seinen Ursprungsort. Aus Sicht von Experten des Weltdenkmalrats Icomos beeinträchtigt das Kunstwerk die «äußerst sensiblen Blickbeziehungen im Westchor». Öffentlich wurde wegen des Standorts sogar über eine mögliche Aberkennung des Welterbetitels für den Dom diskutiert.

Auf Wunsch des Landes Sachsen-Anhalt, dass das Altar-Kunstprojekt gefördert hat, verkürzten die Vereinigten Domstifter die Dauer der Ausstellung. Ursprünglich waren drei Jahre geplant gewesen. Der Professor für Denkmalpflege und Icomos-Experte Achim Hubel wies zurück, dass es zu einer Aberkennung des 2018 verliehenen Welterbetitels für den Naumburger Dom käme, falls der Altaraufsatz nicht abgebaut würde.

Das Schlimmste, was passieren könnte, ist aus Hubels Sicht ein Eintrag in die «Rote Liste» des gefährdeten Welterbes. «Dann müsste mit der Unesco verhandelt werden, wie man die Aberkennung des Titels verhindern könnte - ein Prozess, der sich normalerweise über Jahre hinwegzieht.» Hubel machte deutlich, dass er sich «die Keule der Roten Liste überhaupt nicht vorstellen kann».

Vom dreiflügeligen Altaraufsatz, Retabel genannt, sind nur die beiden Original-Seitenteile von Cranach dem Älteren erhalten geblieben. Sie waren vor der Ergänzung im Domschatzgewölbe ausgestellt. Das Mittelteil war 1541 im Zuge einer bilderfeindlichen Aktion zerstört worden. Maler Triegel schuf es neu. Die Vereinigten Domstifter sind sich sicher, dass der Altaraufsatz einst für den Westchor geschaffen wurde, der Icomos-Experte Hubel ist vom Gegenteil überzeugt.

© dpa
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