Neuer Polizeirabbiner soll Landespolizei sensibilisieren

Die Polizei in Sachsen-Anhalt soll für den Umgang mit verschiedenen Kulturen sensibilisiert werden. Einen Teil der Aufgabe soll dabei ein neuer Polizeirabbiner übernehmen. Für einen solchen Schritt gibt es laut Innenministerium mehrere Gründe.
Ein Polizist sitzt in der Synagoge. Mit einem Festakt wurde die Einrichtung eines Polizeirabbiners für die Ausbildung in der Polizei begangen. © Sebastian Willnow/dpa

Die Landespolizei in Sachsen-Anhalt hat erstmals einen Rabbiner. Daniel Fabian soll künftig einen wesentlichen Beitrag zur «Stärkung der interkulturellen Kompetenz» insbesondere bei den jungen Polizeianwärtern leisten, wie Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) sagte. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen der Landesregierung und dem Landesverband der jüdischen Gemeinden wurde am Mittwoch in der jüdischen Synagoge in Halle unterzeichnet.

Einige Fälle der Vergangenheit hätten gezeigt, dass es innerhalb der Polizei noch große Wissenslücken in Bezug auf das jüdische Leben in Deutschland gebe, sagte der Landesvorsitzende der jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt, Max Privorozki. Als vor einigen Jahren in Pretzien (Salzlandkreis) auf einem Dorffest die Taschenbuchausgabe des «Tagebuchs der Anne Frank» brannte, hätten hinzugerufene Polizisten gar nicht die Bedeutung dieser Tat überblickt. Hier habe sich vermutlich fehlendes Wissen über wichtige Teile der jüdischen Kultur in Deutschland offenbart, so Privorozki.

Mit dem neuen Polizeirabbiner erhoffe man sich durch praxisnahe und authentische Lehre die jüdische Kultur «anders erfahrbar» zu machen als durch trockene Theorie, sagte die Innenministerin. Fabian solle an der Fachhochschule der Polizei situativ und an konkreten Beispielen ein Bewusstsein für mögliche kulturelle Unterschiede schaffen. «Dabei bleibt mehr hängen», sagte die Ministerin. Der Ansatz mit dem aus Israel stammenden Fabian im direkten Kontakt sei eine authentische Art der Wissensvermittlung.

«Das wichtigste Mittel ist die Diskussion», sagte der neue Polizeirabbiner. Er hoffe, dass man mögliche Hemmschwellen im ungezwungenen Kontakt schnell abbauen könne. Das müsse nicht im Klassenraum passieren. Auch einen unkonventionellen Austausch wie zum Beispiel beim gemeinsamen Sport hielte er für möglich. Es gehe in erster Linie nicht um Verbote und Gefahrenzonen rund um das Thema. Auch Witze seien erlaubt, betonte Fabian.

Mit der Arbeit des Polizeirabbiners sollen auch antisemitische Tendenzen innerhalb der Polizei bekämpft werden, wie Zieschang sagte. Auch wenn Antisemitismus innerhalb der Landespolizei kein systemisches Problem sei. In der Vergangenheit hatte es vereinzelte Fälle von Antisemitismus innerhalb der Polizei gegeben. So soll vor wenigen Jahren der Imbiss in der Bereitschaftspolizei stets als «Jude» bezeichnet worden sein. Die komplette Dienststelle habe davon gewusst davon und habe nichts dagegen unternommen, hieß es damals in einem anonymen Schreiben. Nachfolgende Ermittlungen bestätigten die Vorwürfe.

Die Verbindungen von Landespolizei und jüdischen Gemeinden würden mit der Benennung eines Polizeirabbiners nun in vielerlei Hinsicht enger geknüpft, sagte Zieschang. Mit dem Wissen über verschiedene Kulturen, Weltanschauungen und Perspektiven wachse die Sensibilität und die Sicherheit im Umgang mit Menschen und Situationen. «Der Schutz des jüdischen Lebens ist deutsche Staatsräson», so die Ministerin.

© dpa
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