Kliniken fordern Inflationsausgleich von Bund und Land

Die Inflation verschärft die wirtschaftlichen Probleme der Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt. Sie befürchten ein Sterben der Kliniken im kommenden Jahr und fordern die Politik zum Handeln auf.
Ein Schild weist den Weg zu dem Eingang zum Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. © Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Die Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt fordern angesichts gestiegener Preise finanzielle Hilfen. Die Kosten seien durch die Preise für die Patientenbehandlung längst nicht mehr gedeckt, sagte Wolfgang Schütte, Vorsitzender der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt, am Mittwoch. Die Situation sei «ausgesprochen problematisch» und drohe im kommenden Jahr in der Schließung mehrerer Kliniken zu gipfeln.

Laut Schütte zeige sich aktuell in vielen der 45 Krankenhäusern des Landes eine schwierige Gemengelage. Das Personal habe in den vergangenen zwei Corona-Jahren an der Belastungsgrenze gearbeitet, Personalausfälle belasteten noch immer die Patientenversorgung. Personalkürzungen seien deshalb in der wirtschaftlich angespannten Situation keine Option.

Hinzu komme, dass ein Patientenzimmer nicht mal eben auf 15 Grad Celsius runtergekühlt werden könne, um Energie zu sparen und Kosten zu mindern. Die Medikamente und Medizinprodukte hätten sich teilweise um bis zu 300 Prozent verteuert, sagte der Geschäftsführer des Carl-von-Basedow-Klinikums Saalekreis, Lutz Heimann. Außerdem seien mit dem Wegfall der Corona-Hilfen für Kliniken Mitte dieses Jahres wichtige Erlöse eingebrochen. Auch die für die Kostenabrechnungen der Kliniken wichtigen Fallzahlen sind zuletzt zurückgegangen.

Diese Mehrkosten könnten nicht weitergegeben werden, führte Schütte weiter aus. Denn die Vergütungen der Krankenkassen, die den Betrieb der Krankenhäuser finanzieren, seien vom Gesetzgeber streng limitiert. So biete sich für die Krankenhäuser keine Möglichkeit, die tatsächlichen Preissteigerungen voll zu refinanzieren, erklärte Schütte. «Das ist ein planwirtschaftliches System in einer Marktwirtschaft», sagte Klinikgeschäftsführer Heimann.

Hinzu kämen mitunter große bürokratische Anforderungen, sagte Heimann. Er habe mitunter das Gefühl, die Dokumentation sei wichtiger als die eigentliche Behandlung. Krankenschwestern müssten im Schnitt knapp die Hälfte ihrer Arbeitszeit für administrative Aufgaben aufwenden. Er forderte hier dringende strukturelle Reformen.

Kurzfristig müssten Bund und das Land Sachsen-Anhalt die Inflation ausgleichen, um eine adäquate Versorgung auch im kommenden Jahr sicherzustellen. Denn das Krankenhausrecht sehe keinen Automatismus vor, um kurzfristige und unerwartete Kostensteigerungen refinanzieren zu können, sagte Schütte. Die Krankenhausgesellschaft fordere daher einen nachträglichen Rechnungszuschlag auf alle Abrechnungen mit den Krankenkassen für das Jahr 2022 in Höhe von vier Prozent. Über einen solchen Zuschlag für 2023 müsse außerdem umgehend verhandelt werden.

© dpa
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