Spediteure warnen vor Adblue-Mangel mit Konsequenzen

Die Güterlogistik schlägt Alarm, weil sie einen Mangel beim Dieselzusatz Adblue fürchtet. Rollen bald keine Diesel-Lkw mehr? Bleiben gar Supermarkt-Regale leer? Die Bundesregierung sieht allerdings aktuell keine Mangellage.
Der Schriftzug «AdBlue» auf einem Verschluss an einem Diesel-Fahrzeug der Automarke Toyota. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Drohen leere Supermarktregale und leere Baustellen? Nach dem Produktionsstopp bei SKW, einem der größten deutschen Adblue-Hersteller, fürchtet insbesondere die Transportbranche massive Konsequenzen und läuft bei der Bundesregierung Sturm. An dem Zusatz hingen unter anderem die Transportunternehmen, die Lebensmittelbranche, der Individualverkehr und das Handwerk, betonte der Bundesverband Gütertransport und Logistik (BGL) am Donnerstag. Die Regierung sieht allerdings keine echte Mangellage.

Der BGL fordert daher finanzielle Hilfe für die deutschen Produktionsstätten. Die Produzenten seien «systemrelevant», sagte BGL-Hauptgeschäftsführer Dirk Engelhardt. Bei SKW in Wittenberg wird der Dieselzusatz allerdings seit etwa zwei Wochen nicht mehr produziert. Bei den aktuellen Gaspreisen würde SKW an jedem Produktionstag große Verluste einfahren, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Eine alternative Beschaffung bei einer drohenden Adblue-Mangellage sei schwierig, sagte BGL-Hauptgeschäftsführer Engelhardt. Der Kraftstoffzusatz sei schwer aus dem Ausland zu importieren. «Überall in Europa stehen die Werke still.» Außerdem fehlten die Transportkapazitäten, um die benötigten Mengen zu transportieren. Der Adblue-Verbrauch der Lkw auf deutschen Straßen liegt laut BGL bei etwa 5 Millionen Litern pro Tag.

Die Bundesregierung hält die Darstellung des Verbandes für etwas überspitzt. «Eine echte Mangellage konnten wir noch nicht feststellen», sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums am Mittwoch. Man wisse um die energie- und gasintensive Produktion und beobachte die Entwicklung genau. Bei einem Mangel werde die Regierung Maßnahmen treffen, die «diesen wichtigen Stoff weiter zur Verfügung halten», so der Sprecher.

Außerdem gebe es sehr wohl Importmöglichkeiten, sagte der Sprecher. Man müsse also die Situation bei SKW von der Gesamtversorgungslage trennen. Den Produzenten stehen bereits Liquiditätsprogramme der Bundesregierung zur Verfügung, erklärte der Sprecher des Ministeriums. Diese Programme müssten jetzt ausgeweitet, spezifiziert und fokussiert werden. «Im Rahmen dessen werden auch die Betriebe, die Adblue herstellen, davon profitieren können.»

Bei SKW ist die Produktion von Ammoniak, Harnstoff und Adblue aneinander gekoppelt, wie ein Sprecher des Unternehmens erklärte. Da die Düngemittelproduktion wegen der aktuellen Gaspreise Verluste machen würde, wurde die Produktion abgestellt. Bei Adblue seien die Preise zuletzt zwar so stark gestiegen, dass dessen Produktion rentabel sei, sagte der Sprecher. Allerdings könne der Kraftstoffzusatz nicht separat hergestellt werden.

Neben SKW gehören auch BASF und Yara zur Riege der großen Hersteller von Adblue in Deutschland. Beim Chemiekonzern BASF läuft nach eigenen Angaben die Adblue-Produktion weiterhin uneingeschränkt. Eine Unternehmenssprecherin sprach jedoch von einem «herausforderndem Marktumfeld».

Doch warum stoppt SKW die Herstellung, während BASF weiter produziert? Das könnte mit den finanziellen Rahmenbedingungen zu tun haben: «BASF ist ein global agierender Konzern», sagte der SKW-Sprecher. «Wenn wir so tiefe Taschen wie BASF hätten, könnten wir womöglich auch produzieren.» BASF erwirtschaftete 2021 einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von knapp 8 Milliarden Euro. SKW setzte laut dem letzten veröffentlichten Jahresabschluss im Jahr 2020 etwa 500 Millionen Euro um.

Die Harnstofflösung Adblue wird bei der Abgasnachbehandlung von Dieselmotoren eingesetzt und bewirkt eine Verringerung der ausgestoßenen Stickoxide um bis zu 90 Prozent. Nahezu jeder Lastwagen der Speditions-, Logistik und Transportbranche in Deutschland fährt laut BGL mit Diesel. SKW gehört zum tschechischen Konzern Agrofert.

© dpa
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