Zahlreiche Landkreise und Städte haben keine Hitzekonzepte

07.07.2022 Aktuell sind die Temperaturen in Sachsen-Anhalt zwar gemäßigt. Doch die nächste Hitzewelle kommt bestimmt. Welche Schutzmaßnahmen greifen dann in den Kommunen?

Ein Thermometer an einer Hauswand klettert in Richtung der 40-Grad-Marke. © Frank Rumpenhorst/dpa/Illustration

Die Belastung für die Bevölkerung durch hohe Temperaturen ist auch in Sachsen-Anhalt hoch. Doch wer ist etwa für Schulen oder Pflegeheime bei den Kommunen in Sachen Hitzeschutz ansprechbar? Zahlreiche Landkreise und Städte haben dafür keine speziellen Beauftragten, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Auch konkrete Konzepte etwa zu Schutzmaßnahmen bei besonders hohen Temperaturen, sind oftmals nicht vorhanden und bleiben Sache der Einrichtungen.

In der Stadt Dessau-Roßlau etwa gibt es weder ein spezielles Hitzeschutzkonzept noch einen gesonderten Hitzeschutzbeauftragten, wie eine Sprecherin mitteilte. Auch im Landkreis Wittenberg gibt es zurzeit kein Konzept. Das Land habe dafür eine Koordinierungsstelle angekündigt, erklärte ein Sprecher. «Wenn die ihre Arbeit aufgenommen hat, dann gehen wir den Weg zusammen», hieß es.

Auf Landesebene weiß man von einer konkreten Ankündigung allerdings nichts. Im Jahr 2017 hatte das Bundesumweltministerium unter Mitarbeit der Länder zwar Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen vorgelegt und darin eine solche Stelle auf Landesebene empfohlen. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten im Jahr 2020 dann aber beschlossen, dass Hitzeaktionspläne individuell unter Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten und Spezifika primär von den Kommunen und betroffenen Instituten erstellt werden sollen.

In diesem Jahr sollen im Rahmen eines Pilotprojekts mit freiwilligen Einrichtungen der stationären Altenpflege «Musterhitzepläne» als erfolgreiche Beispiele entwickelt werden, hieß es seitens des Gesundheitsministeriums. Das Umweltministerium bereitet eigenen Angaben zufolge zudem voraussichtlich für Anfang 2023 eine Richtlinie zur Förderung von Klimaanpassungsmaßnahmen vor. In dem Rahmen solle auch die Erstellung von Hitzeaktionsplänen unterstützt werden, erklärte ein Sprecher.

Bei den Landkreisen ist das Thema teilweise in größeren Abteilungen angesiedelt. Im Jerichower Land werden Themen, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel entstehen, vom Fachbereich Umwelt oder über das Gebäude- und Liegenschaftsmanagement bearbeitet. Dort gebe es seit diesem Jahr einen Klimaschutzmanager. Um den Hitzeschutz für Schulen und Pflegeheime kümmerten sich die jeweiligen Träger eigenverantwortlich.

Auch im Landkreis Harz hätten verschiedene Ämter den Hitzeschutz im Blick. Alle Einrichtungen könnten sich mit Fragen aber an das Gesundheitsamt wenden, so ein Sprecher. Bei Sanierungen der Schulgebäude achte der Landkreis aber «selbstverständlich» auf den Wärme- und Hitzeschutz. Auch im Landkreis Stendal werde auf das Thema Hitzeschutz seitens der Gesundheitsaufsicht bei jedem Bau- und Umnutzungsverfahren von Räumlichkeiten hingewiesen, erklärte eine Sprecherin. Hitzeschutzkonzepte gebe es derzeit aber nicht.

Im Rahmen von routinemäßigen Hygienekontrollen überprüfe das Gesundheitsamt auch das Vorliegen von Hitzeplänen in Gemeinschaftseinrichtungen und berate auch dazu, hieß es seitens des Saalekreises. Dadurch sei bekannt, dass in verschiedenen Einrichtungen Schutzkonzepte vorlägen.

Die Stadtverwaltung in Halle erarbeitet derzeit einen sogenannten Hitzeaktionsplan. Gegenwärtig stehe der Fachbereich Gesundheit als beratende Institution für alle Hilfesuchenden und Anfragenden zur Verfügung, so ein Sprecher der Stadt. Eine Nachfrage nach Beratung habe bislang aber nicht bestanden. Einen Hitzeschutzbeauftragten gibt es auch in Halle nicht. In der Landeshauptstadt Magdeburg gibt es bislang ein sogenanntes Klimaanpassungskonzept. Das bilde für das Handeln bei Hitze bereits die Grundlage, so eine Sprecherin. Ein allumfassendes Hitzeschutzkonzept zu entwickeln sei allerdings aus Mangel an finanziellen und personellen Ressourcen nicht vorgesehen.

Die Kommunen appellieren an die Bevölkerung aufzupassen. Bei großer Hitze sollten etwa körperliche Aktivitäten oder unnötige Aufenthalte im Freien vermeiden werden, die Menschen sollten viel Trinken und auf die Signale des Körpers achtgeben, so etwa der Sprecher vom Landkreis Wittenberg. Auch die Gesundheitsämter und das Ministerium geben auf den Internetseiten Tipps zum Umgang mit Hitze. Insbesondere bei älteren Menschen mit Pflegebedarf sei in einem besonderen Maße präventiv zu reagieren, heißt es auf der Homepage des Ministeriums.

© dpa

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