Höhere Zinsen führen zu gemischter Bilanz bei NordLB

Insgesamt erwirtschaftet die Landesbank nach langer Durststrecke weiterhin Gewinne, das Geschäft läuft stabiler. Beim Blick in die Details tritt allerdings eine Reihe von Risiken zutage.
Die Sonne geht hinter der Norddeutschen Landesbank NordLB unter. © Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild

Die NordLB hat im ersten Halbjahr von neuem Schwung in der Finanzierung vieler Kundenprojekte profitiert, zugleich aber die Auswirkungen von Inflation und Ukraine-Krieg zu spüren bekommen. Im Konzernergebnis weitete sich der Verlust im Vergleich zu 2021 leicht von 51 Millionen auf 63 Millionen Euro aus, auch vor Steuern sowie der Einrechnung der Umbaukosten blieb das Institut von Januar bis Juni im negativen Bereich, wie es am Mittwoch mitteilte. Werden alle betriebs- und weltwirtschaftlichen Effekte einbezogen, konnte die Bank das so definierte «Gesamtergebnis der Periode» aber von minus 15 Millionen auf plus 322 Millionen Euro drehen.

Der Vorstandschef der Landesbank Niedersachsens und Sachsen-Anhalts, Jörg Frischholz, sprach bei der Zwischenbilanz von einem «eindrucksvollen Neugeschäftszuwachs». Der Wert aller zusätzlich vergebenen Darlehen legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 70 Prozent zu. Im Einzelnen zogen auch das Zins- und das Provisionsergebnis an - vor allem mit Firmenkunden, die zum Beispiel Kredite für Energiewende-Investitionen erhielten, lief es besser.

Demgegenüber drückten Faktoren, die mit den Folgen des Konflikts in der Ukraine und dem Preisniveau zu tun haben, auf die Bilanz - etwa wegen neu bewerteter Pensionsverpflichtungen. Zudem verteuern höhere Zinsen Investitionen. An anderer Stelle spielte der Trend der NordLB in die Karten - beispielsweise beim Eigenkapital, «so dass die Bank in der Gesamtbetrachtung ein deutliches Plus erwirtschaftet hat».

Im zweiten Quartal allein gesehen sei auch nach Steuern schon ein Gewinn von 15 Millionen Euro Gewinn übrig geblieben. Unterm Strich könne man aber kaum sagen, wie sich die Lage in den kommenden Monaten darstelle: «Die weiteren konjunkturellen Entwicklungen sind schwer abzuschätzen.» In Russland und in der Ukraine habe die NordLB zwar kein Direktgeschäft. «Gleichzeitig wird die Bank mögliche Zweit- und Drittrundeneffekte weiter sehr genau beobachten», so das Management.

Im Gesamtjahr 2021 hatte das Geldhaus, zu dessen Mitbesitzern auch die Sparkassen-Gruppe gehört, nach mehreren Verlustjahren sowohl vor als auch nach Steuern wieder die Gewinnschwelle überschritten. Einer der Gründe ist der Sparkurs, der einen großen Personalabbau umfasst.

Die NordLB hat eine harte Zeit mit aufgeblähter Bilanz und faulen Schiffspapieren hinter sich. Sie musste Ende 2019 von ihren Trägern gerettet werden, Sparprogramme sind Teil der Maßnahmen. Bis Ende 2023 will die Bank 2800 bis 3000 Beschäftigte haben - es waren mal 6300. Der Anteil notleidender Kredite nahm im ersten Halbjahr weiter ab, er lag nach Angaben des Unternehmens Ende Juni noch bei 0,7 Prozent.

© dpa
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