Betriebe blicken pessimistisch in die Zukunft

Die Stimmung in Sachsen-Anhalts Wirtschaft ist an einem Tiefpunkt angekommen. Die Betriebe äußern nicht nur schlechte Konjunkturerwartungen, einige treiben Existenzängste um.
Viele Eurobanknoten stecken in einer Geldbörse. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Sachsen-Anhalts Unternehmen schauen mit bangem Blick auf die zukünftige Konjunkturentwicklung. «Wir haben eine Krise mit einer neuen ersetzt», sagte Danny Bieräugel, Konjunkturexperte der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, am Mittwoch in Halle. Nach einer kurzen Erholung mit dem Ende der Corona-Pandemie würden durch den Ukraine-Krieg zahlreiche neue Probleme aufgeworfen. Der zuletzt zu beobachtende Pessimismus habe sich verfestigt.

Wesentliche Faktoren für die Sorgen der Unternehmer sind laut IHK die Energie- und Rohstoffpreise. Laut einer Umfrage zum Geschäftsklima im zweiten Quartal bezeichneten die meisten Betriebe im Süden des Landes diese als Hauptrisikofaktor ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Das ziehe sich über alle Branchen hinweg, sagte Bieräugel. Da sich die Krise in den vergangenen Wochen sogar noch verschärft habe, rechne er nicht mit einer Entspannung. «Mein Gefühl sagt mir, würden wir die Umfrage heute machen, hätten wir noch pessimistischere Erwartungen», sagte IHK-Geschäftsführer Thomas Brockmeier. Die Umfrageergebnisse stammten größtenteils noch aus dem Juni.

«Die wirtschaftliche Verfassung der Unternehmen im Norden von Sachsen-Anhalt ist so schlecht wie seit Beginn unserer Konjunkturumfrage nicht mehr», hatte vergangene Woche der Präsident der IHK Magdeburg, Klaus Olbricht, betont. Die sich im Zuge des Ukraine-Krieges weiter verschärfende Energieproblematik, die hohe Inflation sowie die weiter bestehenden Verwerfungen in den Lieferketten ließen die Konjunktur einbrechen und sorgten für den schlechtesten Geschäftsklimaindex, seit dieser ermittelt werde.

Aus Sicht der IHK Magdeburg müsse es ein klares Bekenntnis der Bundesregierung geben, die heimische Wirtschaft «mit allen Mitteln zu unterstützen». Es müsse ein Weg gefunden werden, dass sowohl die Sanktionen gegen Russland aufrechterhalten werden, aber auch die Wirtschaft lebensfähig bleibe. «Wobei ich der Lebensfähigkeit der Wirtschaft in diesem Land immer den Vorrang geben würde», sagte Olbricht. Die Unternehmen seien alle verunsichert und keiner wisse, wie es weitergeht.

IHK-Geschäftsführer Brockmeier wurde am Mittwoch deutlich. «Wir sehen momentan das Ergebnis einer vermurksten Energiepolitik», sagte er. Die Ursache für einige der Energieprobleme sei nicht der Ukraine-Krieg, dieser mache die fehlgeleitete Politik nur sichtbar. Die Bundesregierung müsse nun kurzfristig helfen, um die «finanziellen Übertreibungen» abzufedern. Brockmeier forderte eine Abschaffung der Gasumlage. Diese sei der «Todesstoß» für ernergieintensive Unternehmen. Langfristig müsste über die verlängerte Nutzung von Kernkraftwerken und pragmatische Rahmenbedingungen für die Kohlekraftwerke gesprochen werden.

© dpa
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