Chemieproduktion in Leuna deutlich eingeschränkt

Die chemische Industrie in Leuna sieht sich angesichts der hohen Gaspreise zunehmend in Bedrängnis und fordert rasche Unterstützung von der Politik. «Wir haben über den Schnitt der Betriebe am Standort aktuell Produktionseinschränkungen von ungefähr 50 Prozent», sagte der Geschäftsführer der Infraleuna GmbH, Christof Günther, am Mittwoch in Halle. «Wir haben eine Situation, wo die chemische Industrie nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann und wo wir ganz dringend Unterstützung brauchen, denn es leuchtet jedem ein, dass ein defizitärer Anlagenbetrieb nur sehr begrenzte Zeit aufrecht erhalten werden kann.»
Blick auf den Chemiepark Leuna. © Jan Woitas/dpa/Archivbild

Im Chemiepark Leuna seien die verschiedenen Unternehmen und Anlagen miteinander verbunden. In diesem Verbund produziere die chemische Industrie sehr effizient und wettbewerbsfähig. «Jetzt kommt es darauf an zu verhindern, dass aus diesem Verbund wesentliche Elemente herausbrechen aus wirtschaftlichen Gründen», sagte Günther. Dies könnte dazu führen, dass andere Anlagen, die aktuell noch wirtschaftlich betrieben werden können, auch außer Betrieb gehen müssen.

«Wenn eine solche Entwicklung einsetzt, ist das ein Dominoeffekt, der dazu führt, dass die chemische Industrie nicht nur in Leuna, sondern im gesamten mitteldeutschen Chemiedreieck in Mitleidenschaft gezogen wird», sagte Günther weiter. Unzweifelhaft hätte das auch Auswirkungen auf die ganze nachfolgende Industrie wie Elektrotechnik, Maschinenbau, Anlagenbau, Bauwirtschaft und Landwirtschaft. «Überall sind die nachfolgenden Wertschöpfungsstufen auf die Chemieprodukte angewiesen.» Es drohten Lieferkettenstörungen, «die sich niemand ausmalen kann im Moment».

An dem Industriestandort arbeiten für rund 100 Firmen etwa 12 000 Menschen, darunter 600 in der Erdöl-Raffinerie. Die Infraleuna bietet Dienstleistungen für die Firmen an. Dazu zählt die Energieversorgung aus eigenen Gaskraftwerken.

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, Thomas Brockmeier, sagte, das Knappheitsproblem bei der Energie müsse bekämpft werden. «Wir brauchen aus allen Quellen, derer wir Herr werden können, mehr Energie im Markt. Gas und Strom. Das ist die wichtigste politische Botschaft zunächst einmal.» Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke dürften nicht vom Netz genommen werden. Man müsse auch auf Fracking setzen. «Wir müssen alles, alles was wir kriegen können, an den Markt bringen, damit die Preise fallen. Wenn die nicht fallen, ist es nicht zu bezahlen.»

© dpa
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