Eisenbahn und Schrottimmobilie: Das Land tritt als Erbe auf

Jedes Jahr tritt Sachsen-Anhalt als Erbe ein. Oft erbt das Land Grundstücke, doch auch Kuriositäten wie Modelleisenbahnen oder Tiere sind dabei. Was geschieht mit all dem?
Blick auf ein geöffnetes Schließfach in einer Filiale einer Stadtsparkasse in Magdeburg. © Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Immobilien, Autos, Sparguthaben - jedes Jahr erbt Sachsen-Anhalt im großen Stil. Im vergangenen Jahr konnte es auf eine vergleichsweise hohe Anzahl sogenannter Fiskalerbschaften zurückblicken. 547 solcher Erbfälle wurden 2021 festgestellt, teilte ein Sprecher des Finanzministeriums mit. 582 waren es 2020, im Jahr davor 535.

Das Land wird immer dann zum Erben, wenn weder Ehegatte, noch Lebenspartner, Kinder oder weitere Verwandten des Verstorbenen ermittelt werden können und kein anderer Erbe bestimmt wurde. Das Spektrum an Erbgegenständen ist groß: «Immobilien, also Eigentums- und Miteigentumsanteile an Grundstücken und Eigentumswohnungen, Kraftfahrzeuge, Garagen und Gärten, Konten- und Sparguthaben, Depots sowie weitere bewegliche Sachen aus den Haushalten der Erblasser», führte der Ministeriumssprecher aus. Derzeit befänden sich mehr als 1200 Immobilien aus Fiskalerbschaften im Eigentum oder Miteigentum des Landes.

Das Land könne grundsätzlich erben wie eine natürliche Person, erklärte der Ministeriumssprecher. So sei das Land zum Beispiel im Besitz einer Modelleisenbahnsammlung und auch Tiere habe Sachsen-Anhalt schon geerbt. Besondere Stücke seien seltene Möbel oder mitunter Sammlungen von Verstorbenen. Bewegliche Gegenstände würden, wenn diese einen bestimmten Wert haben, dann unter anderem über eine Zollauktion oder diverse Auktionshäuser veräußert. Tiere würden einem Verwandten oder Bekannten des Verstorbenen zur Übernahme angeboten, oder dem Tierheim übergeben.

Die Einnahmen, die sich größtenteils aus den Verkäufen der Vermögensgegenstände, aus Mieten und Pachten sowie der Auflösung von Konten, Sparbüchern und Depots speisten, beliefen sich nach Angaben des Finanzministeriums im vergangenen Jahr auf etwa 3,3 Millionen Euro.

Dem standen 2021 rund 2,7 Millionen Euro gegenüber, die im Zusammenhang mit den Fiskalerbschaften ausgegeben wurden, so der Sprecher. Die entstandenen Sach- und Personalkosten der beteiligten Landesbehörde sind darin allerdings noch nicht eingerechnet, wie es hieß.

Die Kosten würden für Instandsetzungs- und Sicherungsmaßnahmen, für die Verkehrssicherung und die Bewirtschaftungskosten der Liegenschaften aufgewandt, sagte der Sprecher. Häufig seien die geerbten Immobilien besonders baufällig.

Die Sanierung und Entwicklung von solchen Schrottimmobilien gehöre aber nicht in den Aufgabenbereich des Ministeriums. Das liege auch daran, dass die anschließende Verwertung der Liegenschaften sich oftmals wegen grundbuchlicher Belastungen und teilweise ungeklärten Miteigentumsverhältnissen als sehr schwierig erweise.

Solche vererbten Immobilien seien angesichts der vielen leerstehenden und verfallenen Häuser in Sachsen-Anhalts Kommunen jedoch nicht das Hauptproblem, hatte der Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr erklärt. Ostdeutsche Kommunen hätten ohnehin größere Probleme mit Schrottimmobilien. Oft seien die Eigentumsstrukturen der Immobilien nicht mehr nachvollziehbar oder die vermeintlichen Eigentümer hätten Verzichtserklärungen abgegeben.

© dpa
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