Harz soll besser vor Waldbränden geschützt werden

Mehr Totholz räumen, Schutzstreifen anlegen und genauer auf die Strecke der Schmalspurbahnen schauen: Land, Kommunen und Nationalpark haben sich nach den Waldbränden im Harz auf Präventionsmaßnahmen geeinigt. Nicht überall herrscht Einigkeit.
Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand. © Boris Roessler/dpa/Symbolbild

Großbränden im Harz wie in diesem Sommer soll künftig stärker vorgebeugt werden. Zu den Maßnahmen gehört, dass insbesondere rund um Schierke am Fuß des Brocken vermehrt abgestorbene Bäume beseitigt werden sollen, sagte Forstminister Sven Schulze (CDU) am Freitag in Wernigerode. Zudem sollten künftig sogenannte Wundstreifen - 2,5 bis 3 Meter breite vegetationslose Streifen etwa entlang von Straßen oder Bahnstrecken - geschaffen werden, um die Ausbreitung von Bränden zu erschweren. Um das zu ermöglichen, sei die Waldbrandgefahrenklasse für den Landkreis Harz verändert worden, sagte Schulze.

Der Nationalpark Harz werde zudem mehr Brandschneisen schaffen, damit die Feuerwehr Brandorte besser erreichen könne. Wo und in welchem Ausmaß solche Brandschneisen entstehen sollen, solle der Nationalpark gemeinsam mit der Feuerwehr entscheiden, gegebenenfalls müssten Naturschutzbehörden einbezogen werden, sagte Schulze. Zunächst seien die politischen Voraussetzungen geschaffen worden.

Nationalparkleiter Roland Pietsch sagte, seit dem Fichtensterben 2018 sei man an der Räumung von Totholz dran. «Das Problem ist, dass wir oft nicht hinterherkommen.» Das Fichtensterben greife in ganz Europa um sich, Maschinen seien überall im Einsatz und sehr gefragt. Derzeit habe er noch keine feste Zusage eines Unternehmens, um mit der Beräumung bei Schierke zu beginnen.

Auch das Thema Brandschutzschneisen sei zwiespältig: Zum einen könnten die Schneisen Feuer aufhalten, sie schüfen aber auch neue Zugänge für Besucher. Er gehe aber davon aus, dass im Rahmen der Gefahrenabwehr sehr viel möglich sei in den kommenden Monaten, sagte Pietsch.

Die Maßnahmen sind in einer «Wernigeröder Erklärung» festgehalten worden, die Forstminister Schulze, Nationalparkleiter Pietsch, der Landrat des Landkreises Harz, Thomas Balcerowski, und Wernigerodes Oberbürgermeister Tobias Kascha unterzeichneten. Bis zur Waldbrandsaison 2023 sollten Maßnahmen wirksam werden, sagte Schulze. Allerdings ließen sich Waldbrände nie komplett vermeiden.

Vereinbart wurde auch, dass die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) künftig bis zur Waldbrandgefahrenstufe 3 ohne Absprachen mit Dampfloks auf den Brocken fahren dürfen. Bei Stufe 4 entschieden die Behörden, bei der höchsten Stufe 5 dürfe die Strecke zum Brocken nicht mehr mit Dampfloks befahren werden, sagte Schulze.

Zudem sollten Streckenläufer in besonders heißen Wetterphasen zunächst testweise die HSB-Strecke zum Brocken unter die Lupe nehmen. Statistiken zeigten, dass es dort vermehrt zu Bränden gekommen sei. Entlang der Strecken werde zudem genau geschaut, wie mit dem Totholz umgegangen werde, sagte Schulze. Weite Teile der Fichtenbestände im Harz sind abgestorben und werden als Gefahr im Fall eines Brandes angesehen. Im Nationalpark sind allerdings nur unter bestimmten Bedingungen Eingriffe in die Natur möglich.

Auch wenn die Beteiligten gemeinsam die «Wernigeröder Erklärung» unterzeichnet haben: In einem wesentlichen Punkt herrscht weiter Uneinigkeit. Die Größe des jüngsten Brandes am 3. September ausgebrochenen Brandes am Brocken gibt der Nationalpark Harz mit maximal zwölf Hektar an, der Landkreis Harz sieht 330 Hektar betroffen. Das sei ein statistischer Streit, sagte Landrat Balcerowski. Unabhängig von der Fläche sei das Ausmaß der Löscharbeiten mit rund 1800 Einsatzkräften notwendig gewesen. Die Kosten beliefen sich am Ende schätzungsweise auf drei Millionen Euro.

Der Landkreis Harz setzt unterdessen bereits auf eine besondere Satellitenüberwachung, wie der Landrat weiter sagte. Es handele sich um eine Technik, die in den USA eingesetzt werde und Brände erkenne, die größer als zehn mal zehn Meter seien. Zudem würden die Temperaturen am Boden gemessen. Bis Ende dieses Jahres laufe ein für den Landkreis kostenfreier Probebetrieb. Wenn der Landkreis das System weiter nutze, entstünden jährliche Kosten im fünfstelligen Bereich, sagte Balcerowski.

Es werde zudem geprüft, ob im Gleisbett der Schmalspurbahnen von Drei Annen Hohne bis zum Brockenbahnhof eine Leitung für Löschwasser integriert werden könne, so der Landrat. «Die HSB ist nicht das Problem, die HSB ist Teil der Lösung des Problems.»

© dpa
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