Bohrung im Bindersee: Archäologen erkunden Klimaentwicklung

Mit Sedimenten aus einem mitteldeutschen Binnensee erhoffen sich Archäologen Aufschluss über das Klima der letzten 10.000 Jahre.
Finn Oejen (l) und Georg Heumann lassen das Bohrgestänge von der Plattform in den Bindersee. © Heiko Rebsch/dpa

Wie entwickelte sich das Klima während der vergangenen 10.000 Jahre? Diese Frage soll eine Bohrung im Bindersee bei Rollsdorf (Landkreis Mansfeld-Südharz) beantworten. «Gebohrt wird an der tiefsten Stelle im See, weil hier die Ablagerungen noch ungestört sind», sagte Thomas Litt, Geowissenschaftler der Universität Bonn, am Donnerstag. Sein Team arbeitet seit Anfang der Woche am und auf dem Bindersee. Bei etwa neun Meter Wassertiefe wurden bis zu neun Meter in den Seegrund gebohrt. «Die Sedimente des Sees sind ein einmaliges Klima- und Umweltarchiv für das Mitteldeutsche Trockengebiet der letzten 10.000 Jahre.»

Die Forscher versprechen sich von den Sedimenten im Bohrkern Aufschluss über den Einfluss des prähistorischen Menschen auf die Landschaftsentwicklung in Mitteldeutschland. «Existierte im Mitteldeutschen Trockengebiet damals mit der Erwärmung nach der letzten Eiszeit noch offene Steppe, oder - wie andernorts - schon dichte Bewaldung?», fragte Litt. «Wichtige Informationen liefern die in den Seesedimenten konservierten Pollen».

Die Archäologen hoffen klären zu können, wie der Mensch am beginnenden Holozän, der Warmzeit, die bis heute andauert, seine Umwelt veränderte. «In dieser Epoche beginnen die Menschen, ortsfest zu werden. Die Zeit der altsteinzeitlichen Jäger und Sammler ist vorbei. Genutzt werden neue Ressourcen. Es werden Vorräte angelegt, und der Bewegungsradius der Menschen verringert sich, schrumpft», sagte der Bonner Wissenschaftler.

Es geht nicht nur um die Verhältnisse in der Vergangenheit. «Basierend auf den Ergebnissen können Modell-Szenarien der vom Klima abhängigen Vegetationsentwicklung erstellt werden», sagte Litt.

«Vor 7500 Jahren greift der jetzt sesshaft gewordene Mensch mit Viehhaltung und Ackerbau massiv in die Natur ein», sagte Franziska Knoll, Archäologin am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt Halle. Laut Knoll ergänzen die Daten aus dem Bohrkern damit die Informationen, die aus archäologischen Ausgrabungen und Funden der Region gewonnen werden.

Der Bindersee ist ein Relikt des «Salzigen Sees», der im 19. Jahrhundert als Folge des Bergbaus trocken gelegt wurde. Die Analyse und Interpretation der Bohrkerne ist eine Forschungskooperation des Instituts für Geowissenschaften der Universität Bonn und dem Landesamt.

© dpa
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