Minister: Bessere Aussichten nach Produktionsstopp bei SKW

Die Luft für eines von Sachsen-Anhalts wirtschaftlichen Aushängeschildern wird dünner. Mittlerweile wächst auch die Sorge in der Belegschaft der SKW Piesteritz. Die Produktion steht still. Die Landesregierung will helfen.
Die Stickstoffwerke Piesteritz. © Sebastian Willnow/dpa

Die Sorgen innerhalb der Belegschaft eines der größten Düngemittelproduzenten in Deutschland, der SKW Stickstoffwerke Piesteritz in Wittenberg, wachsen. Die Mitarbeiter hätten kein Verständnis dafür, dass die Politik so mit der Industrie spiele, sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag mit Blick auf die Gasumlage. Bereits jetzt stünden die Ammoniakanlagen still. Es drohe Kurzarbeit, so der Sprecher.

Es rechne sich aktuell nicht, eine wieder zur Verfügung stehende Ammoniakanlage hochzufahren. Mit dem Betrieb würde man in einem Monat so viel verlieren, wie man im Jahr an Gewinn erwirtschafte, erklärte der Sprecher. Angesichts der Gaskrise liege mittlerweile ein kompletter Produktionsstopp vor. Seit Tagen werde nichts mehr produziert. Der 1. Oktober steht als beginn einer möglichen Kurzarbeit für die Belegschaft im Raum.

Grund seien die extrem hohen Gaspreise und die Gasumlage. Die Energiekrise treffe das Unternehmen extrem hart, da die Produktion sehr viel Gas benötige. SKW müsse monatlich voraussichtlich 30 Millionen Euro Gasumlage zahlen. Das sei finanziell nicht zu stemmen, so der Sprecher.

Er sei ohnehin täglich mit der Unternehmensleitung im Austausch, sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) bei einem Werksbesuch am Donnerstag. Es gehe ihm aber auch um die Belegschaft. Er habe vor den Betriebsratsvorsitzenden erläutert, welche Bemühungen und Ideen man in Berlin gemeinsam mit SKW platziert habe. Er habe das Gefühl, dass dort Bewegung drin sei. Es gebe zumindest die klare Zusage vom Staatssekretär Michael Kellner aus dem Bundeswirtschaftsministerium, dass alle Lösungen aus Sachsen-Anhalt intensiv von der Bundesregierung geprüft würden. Diese Aussichten sollten auch Zuversicht verbreiten, sagte Schulze.

Der Chef der Industrie- und Handelskammer im Süden Sachsen-Anhalts, Thomas Brockmeier, hatte am Mittwoch die Einführung der Gasumlage als «Todesstoß» für energieintensive Unternehmen bezeichnet. Als Beispiel nannte er auch die SKW Piesteritz. Ein Produktionsstopp habe «weitreichende Folgen» - nicht nur für Zulieferer und viele Familien in der strukturschwachen Region. Durch fehlende Düngemittel seien auch Ernteausfälle zu befürchten. Denn SKW gilt als größter Produzent von Ammoniak und Harnstoff in Deutschland. Es ist somit ein wichtiger Düngemittelhersteller für die Landwirtschaft.

Wenn SKW nicht produziere, bleibe auch der Güterverkehr auf der Straße stehen, so der Unternehmenssprecher weiter. Denn bei SKW werde auch AdBlue in erheblichen Mengen hergestellt. Die Harnstofflösung wird bei der Abgasnachbehandlung von Dieselmotoren eingesetzt. Nahezu jeder Lastwagen der Speditions-, Logistik und Transportbranche in Deutschland fährt laut dem SKW-Sprecher mit Diesel. SKW gehört zum tschechischen Konzern Agrofert (Prag).

© dpa
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