Bauhaus will Impulsgeber für künftige Gesellschaft sein

Das Bauhaus steht für Neues: in der Kunst, Architektur, im Design - für Aufbruch und eine kritische Sicht auf die Gesellschaft. Welche Visionen gibt es heute - und welche Gefahren für die Demokratie?
Unter dem Schriftzug am Eingang zum Bauhaus Dessau steht Barbara Steiner, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau. © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Das Bauhaus in Dessau wird sich künftig noch mehr mit den existenziellen Themen der Gesellschaft beschäftigen. «Es geht uns um grundsätzliche Fragen, wie werden wir künftig nachhaltig leben, wie werden wir bauen, mit welchen Materialien, auf welcher Energiebasis, und vor allem: Werden wir überhaupt neu bauen», sagte die Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, Barbara Steiner. Dies sei auch Anliegen des von der EU initiierten «Neuen Europäischen Bauhauses» in Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten, Universitäten, Hochschulen, Kommunen und den Menschen vor Ort.

«Im Bauhaus Dessau selbst steht neben Materialfragen der Bereich der kulturellen Bildung im Vordergrund. Auch in der Denkmalpflege gilt es prototypisch zu wirken, vor allem wenn es darum geht, wie Denkmalschutz und Klimaschutz miteinander vereinbart werden können», sagte Steiner. «Wir wollen wichtige Impulse in die Gesellschaft hineingeben. Das ist das, was das "alte Bauhaus" auch getan hat, und ist das, was das "neue Bauhaus" ausmachen soll», sagte sie. Dafür brauche es Menschen, die nach vorn schauen, mehr Visionäre.

Wichtig sei dabei, Wissen zu teilen und voneinander zu lernen, damit auch künftige Generationen eine lebenswerte Umwelt vorfinden. Die Gesellschaft sei weltweit im Umbruch. «Die größte Herausforderung sehe ich in der Demokratiepolitik. Das kann man jetzt schon an der Stimmungslage beobachten», sagte Steiner. Viele Menschen seien verunsichert, wie es mit ihnen persönlich, ihrem Leben, mit dem Zusammenleben in der Gesellschaft weitergehen wird.

Einfache Antworten seien zwar verführerisch, würden aber angesichts der Komplexität der gesellschaftlichen Aufgaben nicht weiterbringen, sagte die Dessauer Bauhaus-Chefin. Sie sehe im Populismus eine Gefahr für demokratische Strukturen. «Alle - von der Politik, über Institutionen, bis hin zu jedem einzelnen persönlich - sind gefordert, Hass und Hetze, Antisemitismus und Rassismus keinen Raum zu geben», sagte sie. «Hier sind wir als Gemeinschaft und Gesellschaft gefordert.»

Hinter den Rufen nach Freiheit verberge sich häufig totaler Egoismus, sagte sie. Toleranz gegenüber Neuem, gegenüber Fremden, werde besorgniserregend weniger. Die promovierte Kunsthistorikerin Steiner ist seit einem Jahr Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau. Diese hat sich der Pflege, Erforschung und Aktualisierung des Erbes der einstigen Hochschule für Gestaltung verschrieben, widmet sich zudem aktuellen gesellschaftlichen Themen in den Bereichen kulturelle Bildung, Design und Architektur.

Im Jahre 1919 vom Architekten Walter Gropius (1883-1969) in Weimar gegründet, zog das Bauhaus aus politischen Gründen nach Dessau um. In der Stadt erlebte es seine Blütejahre, mit revolutionären Neuerungen beim Bauen, in Entwürfen für das Wohnen und neuen Modellen im soziokulturellen Umgang der Menschen. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten zog das Bauhaus erneut um, nach Berlin, wo es 1933 auf Druck der Nazis geschlossen wurde. Bauhauskünstlerinnen und -künstler emigrierten vor allem nach Israel und in die USA. Heute zählen Bauhausbauten wie in Dessau zum Unesco-Welterbe.

© dpa
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