Die Luft bleibt dünn: Städtebund fordert Hilfe für Kurorte

Kurorte und -einrichtungen haben trotz steigender Nachfrage nach Therapie- und Vorsorgeangeboten finanzielle Einbußen. Die Sorge ist groß - auch vor dem, was nach der Corona-Krise kommt.
Der Eingang zum Kurpark Bad Salzelmen führt durch das Gradierwerk. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

In Sachsen-Anhalt haben Kur- und Erholungsorte weiter mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Trotz staatlicher Hilfsprogramme und Kurzarbeiterregelungen seien die finanziellen Defizite enorm. Daher gelte es, eine Strategie zu entwickeln, wie den betroffenen Kommunen mit ihren Gesundheitseinrichtungen geholfen werden kann, sagte der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Sachsen-Anhalt, Bernward Küper, in Magdeburg.

Er sprach sich dafür aus, einen entsprechenden Passus im Finanzausgleichsgesetz aufzunehmen, wie es ihn in Ländern wie Hessen gebe. «Es geht letztlich um die grundsätzliche Frage, was sind uns diese Orte als Gesellschaft wert», sagte Küper.

Unterdessen hat sich die Nachfrage nach Kur- und Rehaangeboten angesichts der Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erhöht. Allerdings erst etwa seit April/Mai 2022, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Betreibern ergab. «Nach der Corona-Krise kommt jetzt die nächste große Krise auf uns. Da bleibt kaum Luft zum Durchatmen», sagte der Kurdirektor des Eisenmoorbades Bad Schmiedeberg (Landkreis Wittenberg), Deddo Lehmann. Grund seien rasant steigende Kosten für Energie, die für einen Kurbetrieb - angefangen von Heizung, Warmwasser für die Therapien bis hin zur Wäscherei - unabdingbar sei. Hinzu kommen demnach hohe Preise für Lebensmittel und Spritkosten. Dies führe dazu, dass Menschen nicht mehr so viel Geld ausgeben können und wollen, zum Beispiel für private Gesundheitsvorsorgeleistungen. Auf der anderen Seite gelte es, den Kur- und Rehabetrieb aufrecht zu erhalten, unabhängig von Reha-Patienten und privater Gästezahl.

Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin des städtischen Soleparks Schönebeck/Bad Salzelmen (Salzlandkreis). «Wir verzeichnen weitaus weniger Gäste als vor der Pandemie, seit April geht es mit den Besucherzahlen zwar voran, aber keinesfalls so wie erhofft», sagte sie. «Wir müssen aber immer Personal vorhalten, um den Betrieb abzusichern, ob an der Kasse oder Bademeister.»

Die Pandemie habe angesichts der Covid-19-Erkrankungen und deren Folgen gezeigt, welch wichtigen Beitrag die Kommunen und Einrichtungen mit ihren Therapie- und Reha-Angeboten leisten, sagte der Chef des Städte- und Gemeindebundes, Küper. Eine extreme Zunahme an Patientinnen und Patienten in der Pneumologie (Lungenkrankheiten) verzeichnet die Paracelsus Harz-Klinik Bad Suderode, wie eine Sprecherin mitteilte. In der Reha-Klinik habe sich die Nachfrage nach Therapien von Long-Covid-Patientinnen und -Patienten enorm verstärkt, sagte Chefarzt Stefan Schwarz.

Von Januar bis Mai dieses Jahres seien in der Paracelsus Harz-Klinik Bad Suderode allein 294 Patientinnen und Patienten mit der Diagnose Covid zur Therapie registriert worden. Im Vorjahreszeitraum waren es demnach 156 Patienten. «Es handelt sich somit quasi um eine Verdopplung der Zahlen», sagte der Chefarzt. Es werde weiter von einem zunehmenden Bedarf ausgegangen. In der Klinik werden weitere Erkrankungen therapiert, etwa Menschen nach einem Herzinfarkt.

Heilbäder, Erholungs- und Kurorte seien auch Aushängeschilder für das Land, das zudem eine immer älter werdende Bevölkerung habe, die gesundheitliche Hilfe und Vorsorge brauche, sagte Küper. In Sachsen-Anhalt tragen laut Landesverwaltungsamt knapp 50 Orte das staatliche Prädikat als Erholungsort, Luftkurort und Heilbad.

Als einmalig in Deutschland gilt die Mutter/Väter-Kind-Kurklinik in Arendsee (Altmarkkreis Salzwedel). Die Nachfrage sei aktuell sehr hoch aufgrund der Corona-Zusatzbelastungen - wie Homeoffice, Homeschooling, Einschränkung sozialer Kontakte und zunehmende familiäre Konfliktsituationen, teilte ein Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Sachsen-Anhalt als Träger der Einrichtung mit.

© dpa
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