Londoner Museumsdirektor blockt Fragen zu Benin-Bronzen ab

29.06.2022 Der aus Deutschland stammende Direktor des Britischen Museums in London hat Fragen zur möglichen Rückgabe der als koloniales Raubgut geltenden Benin-Bronzen abgeblockt. Er wolle über das Thema nicht sprechen, machte Hartwig Fischer auf Nachfrage der dpa bei einer Pressekonferenz mit dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), am Mittwoch in London deutlich. Ob sich das Haus mit dem wohl größten Bestand an Benin-Bronzen dem Vorbild deutscher Museen anschließen wird, bleibt damit vorerst ungewiss.

Hartwig Fischer spricht während der Jahrespressekonferenz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). © Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Anders als deutsche Institutionen ist das Britische Museum sehr zurückhaltend, wenn es um öffentliche Äußerungen über eine mögliche Rückgabe kolonialen Raubguts geht. Auf der Webseite des Museums heißt es lediglich, man habe sich einer «aktiven Auseinandersetzung» mit nigerianischen Institutionen hinsichtlich der Benin-Bronzen verschrieben. Dazu gehöre unter anderem das Ziel, eine neue dauerhafte Ausstellung von Kunstwerken aus Benin in Benin City zu ermöglichen.

Die sogenannten Benin-Bronzen stammen größtenteils aus britischen Plünderungen des Jahres 1897 im Rahmen einer Strafexpedition gegen das Königreich Benin im heutigen Nigeria. Viele davon befinden sich heute im Britischen Museum, andere wurden teils nach Deutschland verkauft und sind heute im Besitz deutscher Museen.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass Deutschland und Nigeria sich über den Umgang mit den Bronzen verständigt haben. Für Freitag ist im Auswärtigen Amt die Unterzeichnung einer Absichtserklärung geplant, die den Weg für die Eigentumsübertragungen freimacht.

Der Generaldirektor der Nationalen Museums- und Denkmalbehörde Nigerias, Abba Tijani, hatte sich am Mittwoch zuversichtlich geäußert, dass die Entscheidung in Deutschland auch Bewegung in die Gespräche mit anderen Ländern bringen könnte. Er rechne fest mit weiteren Rückgaben und nannte unter anderem das Britische Museum in London und das Metropolitan Museum of Art in New York.

Haseloff war am Mittwoch unter anderem zu Gesprächen mit der britischen Regierung nach London gereist. Anlass für die Pressekonferenz war die Leihgabe der aus Sachsen-Anhalt stammenden bronzezeitlichen Himmelsscheibe von Nebra für eine aktuelle Sonderausstellung des Britischen Museums.

© dpa

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