Im neuen Schuljahr ist Unterrichtsausfall vorprogrammiert

Nach sechs Wochen Sommerferien geht am Donnerstag die Schule wieder los. Es ist aber schon jetzt klar: Es wird längst nicht jede Unterrichtsstunde erteilt werden können.
Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

An diesem Donnerstag beginnt in Sachsen-Anhalt für rund 209.000 Schülerinnen und Schüler der Unterricht - wegen Lehrermangels ist so viel Ausfall vorprogrammiert wie nie zuvor. Jüngsten Berechnungen zufolge liegt die sogenannte Unterrichtsversorgung bei 92 Prozent, wie Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) am Dienstag in Magdeburg sagte. Das sei der niedrigste Wert in der Geschichte des Landes. Liegt die Unterrichtsversorgung bei 100 Prozent, können rechnerisch alle Stunden erteilt werden.

Vor allem an Sekundarschulen und Förderschulen fehlten Lehrkräfte. Erklärtes Ziel der Koalition von CDU, SPD und FDP sind 103 Prozent, um Ausfälle etwa wegen Krankheit oder Elternzeit abfedern zu können.

Laut der Ministerin sind bislang in diesem Jahr 748 Lehrerinnen und Lehrer sowie 349 Seiteneinsteiger neu eingestellt worden. Damit gebe es rund 14.300 aktive Lehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen, von ihnen seien 1300 Seiteneinsteiger. Jedes Jahr verlassen laut Feußner zwischen 700 und 1000 Lehrkräfte den aktiven Schuldienst. Um dem Lehrermangel zu begegnen, seien Gegenmaßnahmen ergriffen worden.

So erhielten Absolventen rechtzeitig vor dem Abschluss ihres Lehramtsstudiums ein Einstellungsangebot. An der Universität Halle gebe es zudem zum Wintersemester 200 zusätzliche Studienplätze für das Lehramt. Auch an der Uni Magdeburg solle das Lehramtsstudium stärker in den Fokus rücken. Das Anreizsystem mit Blick auf schwer zu besetzende Lehrerstellen solle weiterentwickelt werden. Schon heute gibt es dort eine höhere Bezahlung. Und das Land setzt laut Feußner weiter auf Seiteneinsteiger.

Wenn die Schüler an diesem Donnerstag wieder in die Schulen kommen, gelten weder Masken- noch Testpflicht, wie die Bildungsministerin erklärte. Wenn sich die pandemische Lage verschärfe, könne sich das wieder ändern. Für zunächst zehn Wochen beobachteten Wissenschaftler der Universität Halle an landesweit 30 Schulen aller Schulformen mit insgesamt 1000 Schülerinnen und Schülern die Corona-Lage.

Mit Blick auf die Energiekrise sagte die Ministerin, Schulen seien zentrale Lebens- und Lernorte. Die Wärmeversorgung dort genieße auch im Falle von Gasmangellagen einen hohen Stellenwert. Der Präsenzbetrieb solle selbst in Phasen einer kritischen Energieversorgung weiter gewährleistet werden.

Im neuen Schuljahr soll auch das Aktionsprogramm «Aufholen nach Corona» fortgesetzt werden. Feußner nannte die Kooperation mit den Volkshochschulen als Beispiel. Sie können Dozentinnen und Dozenten an die Schulen schicken und dort Angebote in den Kernfächern unterbreiten. Die Zusammenarbeit ist bis 2027 angelegt.

Zudem soll es Gutscheine für die Schüler geben, die nach Abschluss des Schwimmunterrichts nicht ausreichend schwimmen konnten. Neue Kurse sollten außerhalb des Unterrichts angeboten werden. Den Eltern entstehen keine Kosten, wie es hieß. Die Anbieter sollen eine Pauschale von 120 Euro je Kind erhalten. Zudem sind in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund Sportcamps geplant, um motorische Defizite der Schüler auszugleichen. Sie sind laut Ministerium für Schüler aller Schulformen geplant.

Noch offen ist, wie viele ukrainische Schülerinnen und Schüler an den sachsen-anhaltischen Schulen lernen werden. Zum Ende des vergangenen Schuljahres waren es laut der Ministerin rund 3400 in Ankunftsklassen und im Regelunterricht. Gemeldet sind im Land allerdings etwa 6700 ukrainische Kinder im schulpflichtigen Alter, wie aus Zahlen des Innenministeriums hervorgeht. Für alle ukrainischen Kinder und Jugendlichen gelte nun die Schulpflicht und der sachsen-anhaltische Lehrplan, betonte Feußner. Am ersten Schultag würden die Daten erhoben. Das Land werde entsprechend reagieren.

Sachsen-Anhalt hat laut dem Bildungsministerium bislang 167 ukrainische Lehrkräfte eingestellt sowie 43 Fachkräfte für Deutsch als Zielsprache, die den Kindern Deutsch beibringen.

© dpa
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