Bildungsverbände gegen Vier-Tage-Modell an Schulen

Bildungsverbände halten nichts von einer Vier-Tage-Woche in der Schule plus einem Distanztag, wie es jetzt in einem Modellversuch in Sachsen-Anhalt erprobt werden soll. «Das sehen wir außerordentlich kritisch», sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben nicht nur den Verdacht, dass da ein Sparmodell schrittweise auf leisen Sohlen eingeführt werden soll, sondern dass dadurch auch die Unterrichtsausfallstatistik massiv geschönt werden soll.»
Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

«Die Verzweiflungstaten der Länder, um den lange schöngeredeten Lehrkräftemangel zu kaschieren, nehmen zu», sagte der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann der dpa. «Die Maßnahme in Sachsen-Anhalt ist nichts anderes als das Eingeständnis einer über Jahre verfehlten Personalpolitik und eine verschleierte Kürzung der Stundentafel.» Er sprach von einer Notmaßnahme, weil zunehmend erkannt werde, dass «auch das Reservoir, aus dem man Seiten- und Quereinsteiger oder pensionierte Lehrkräfte gewinnen konnte, weitgehend erschöpft ist».

Sachsen-Anhalt will im kommenden Schuljahr an einem Dutzend Schulen ein Modell mit vier Präsenz-Unterrichtstagen pro Woche und einem Tag fürs Distanzlernen oder praktische Tage in Unternehmen erproben, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums am Freitag bestätigte. Bei dem «4-plus-1-Modell» sollen die Schülerinnen und Schüler an vier Tagen in den Schulen unterrichtet werden. Mit dem fünften Tag soll dem Sprecher zufolge relativ kreativ umgegangen werden. Digitales Lernen über Apps oder das Moodle-Portal seien ebenso möglich wie Besuche in Unternehmen und Praxislerntage. Das Modellprojekt soll ein Schuljahr lang laufen und dann ausgewertet werden, hieß es.

Meidinger sagte, Distanzunterricht möge in der Oberstufe, wo Jugendliche selbstständiges Arbeiten gewohnt seien, zeitweise funktionieren. Jüngere Schülerinnen und Schüler bräuchten aber den Präsenzunterricht.

Besonders kritisch sieht der Lehrerverbandspräsident, dass der fünfte Tag flexibel gestaltet werden soll. «Das heißt, dass es gar nicht mehr auf die Fachstundentafel ankommt, sondern dass man da quasi machen kann, was man will.» Meidinger befürchtet einen «dauerhaften Niveauverlust». Bisher verbindliche Lernziele würden noch weniger erreicht werden können.

© dpa
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