Der Bauernverband Sachsen-Anhalt sieht im Rückgang der gewerblichen Schlachtungen ein «Alarmsignal an die Politik». Die bestehenden Schlachthöfe seien in der hochkomplexen Agrar-Infrastruktur «sämtlich systemrelevant», sagte ein Sprecher des Verbandes. Tierhaltung finde in Zyklen statt und brauche verlässliche Abnehmer, die auch logistisch erreichbar seien.
In Sachsen-Anhalt war zuletzt die Zahl der gewerblichen Schlachtungen von Schweinen, Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden deutlich geschrumpft. 2022 ging die Zahl um rund ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr auf 3,46 Millionen Schlachtungen zurück. Der Großteil der Schlachtungen findet in der Schweinehaltung statt.
Der Rückgang sei auf mehrere Faktoren zurückzuführen, sagte der Sprecher. «Im September 2020 sind erste Fälle der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland aufgetreten. Daraufhin verhängten die Länder China, Japan und Südkorea, die insbesondere die weniger edlen Teile importierten, ein Importstopp.» Dies sei beispielsweise der Grund für die Schließung der Exportabteilung für Asien des Schlachtbetriebes Tönnies in Weißenfels (Burgenlandkreis).
Ein ebenso weitreichender Grund sei der Strukturwandel in der Tierhaltung, sagte der Sprecher. Durch hohe Erzeugerpreise, eine schwierige Marktlage und mangelnde wirtschaftliche Perspektive reduziere sich die Haltung von Schweinen. Allein von 2021 zu 2022 habe Sachsen-Anhalt 11,5 Prozent seiner gehaltenen Schweine verloren. Der Bestand sei nun erstmals unter der Millionenmarke.