Ankerstein und Seil aus rund 800 Jahre altem Boot

Bei Tauchgängen zu einem rund 800 Jahre altem Boot im Arendsee sind jetzt Funde entdeckt worden. Ein Ankerstein mit dem dazugehörigen Seil konnte von den Archäologen geborgen werden. Das deutet darauf hin, dass das Boot zufällig sank.
Die Tauchplattform von Unterwasserarchäologen vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt im Arendsee. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Bei Tauchgängen zu einem im Mittelalter gesunkenen Prahmboot im Arendsee (Altmarkkreis Salzwedel) ist ein Ankerstein mit Seil entdeckt worden. «Der im Durchmesser etwa 35 Zentimeter große Stein hat ein Loch, durch das das Hanfseil gezogen wurde», sagte Archäologe und Projektleiter Sven Thomas vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt am Mittwoch. «Das deutet darauf hin, dass das Boot nicht absichtlich versenkt wurde, denn sonst hätte man den Ankerstein gesichert.»

Von dem Ankerseil wurde ein etwa 30 Zentimeter langes Stück geborgen. «Möglicherweise liegen im Boot noch zwei Meter Seil.» Ebenso wurden verschiedene Holzkonstruktionsteile entdeckt, darunter womöglich ein Stück von einem Mastschuh, die von den Tauchern noch gehoben werden.

Das Boot aus Eichenholz stammt nach Angaben der Forscher aus der Zeit um 1265. Ein Prahm ist eine flache Fähre und seit der Römerzeit bekannt. «Außerdem wurde ein eckiger Halbspant aus Eichenholz geborgen, der zur Innenkonstruktion des Bootes gehörte und die Stabilität gewährleistete», sagte Thomas.

«Der Spant deutet darauf hin, dass der Prahm über einen doppelten Boden verfügte. Es spricht alles dafür, dass es für seine Zeit ein recht komplexes Boot war, sozusagen die Luxusausführung eines normalen Bootes.» Man konnte sich trockenen Fußes in dem Boot bewegen, was sonst nicht der Fall war.

Die Forscher wollen noch bis Freitag das Boot komplett freilegen und etwa 3-D-Aufnahmen mit einer hochauflösenden Spezialkamera machen.

Der Prahm diente wohl als Transportschiff für Menschen und Güter eines Klosters. Nach Angaben der Experten wird das Boot in 32 bis 35 Meter Tiefe freigelegt und komplett analysiert. Die Daten dienen für eine spätere Bergung des Schiffes. Nach dem Freilegen wird das Boot mit einem Spezialflies abgedeckt. Das Boot soll sich dann bis zur Bergung wieder mit Sediment bedecken, um vom Sauerstoff abgeschlossen zu werden und damit weiteren Verfall zu stoppen.

Neben fünf Tauchern kommen auch ein ferngesteuerter Unterwasserroboter mit einem Greifer, Sonargeräten und Kameras zum Einsatz. Der Zeitpunkt für für eine Bergung ist noch ungewiss, weil rund 250 000 Euro benötigt werden.

Das Prahmboot wurde bereits in den 1990er Jahren von Sporttauchern entdeckt. Mit 55 Metern Tiefe gilt der Arendsee als einer der tiefsten natürlichen Seen in Norddeutschland.

© dpa
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